Neue Wege gehen

Bald werde ich einen neuen Weg einschlagen, hin in ein anderes Land und weg von meiner alten Heimat und den Orten und Menschen, die mir viele Jahre so vertraut waren aber doch auch auf eine Art auch fremd geworden sind.

Erst vor einigen Wochen entdeckte ich einen neuen Weg hin von dem Haus in dem ich lebe zur Offenbacher Innenstadt. Ganz merkwürdig, dass mir dieser Weg all die Jahre nicht aufgefallen ist bzw. dass ich all die vielen Jahre diesen Weg niemals ging. Er ist sogar der viel naheliegendere Weg als der, den ich immer gelaufen oder mit dem Fahrrad gefahren bin. Es ist ein kleines Sträßchen, das ich irgendwie niemals, solang ich schon in Offenbach oder Umgebung lebte, auf dem Schirm hatte. Seltsam.

Alte Wege

So ist das ja oft im Leben. Wir gehen die uns vertrauten Wege, die wir immer gehen und gegangen sind. Ich meine das auch im übertragenden Sinne. Wir tun in unserer Freizeit immer das Gleiche mit den gleichen Menschen. Wir haben unser Stamm-Restaurant, unseren Stamm-Freundeskreis, unseren immer gleichen Spaziergang. Wir kaufen die mehr oder weniger immer gleichen Dinge ein, essen das gleiche und wir sehen auch die Welt immer mit unseren Augen aus ein und derselben Perspektive. In gewisser Weise drehen wir uns im Kreis. Das muss nicht schlecht sein. Vertrautes gibt auch Sicherheit und Halt im Leben. Vor allem gerade, wenn so viel Vertrautes uns von anderen, die ohne Rücksicht auf Verluste ihre zerstörerischen Ideologien verfolgen, brutalst genommen wird. Dann ist das Vertraute mehr denn je wichtig für uns.

Aber doch kann es auch den Blick verstellen, denn man erweitert in gewisser Weise so nicht mehr seinen Horizont und sieht nicht, was es sonst noch so alles im Leben und um uns herum gibt. Und ja, es gibt mehr, als wir manchmal glauben mögen. Davon kann ich wirklich ein Lied singen.

Das Herz – Taktgeber und innerer Kompass

Obwohl ich als eine hochsensible Person vielleicht mehr als andere dieses vertraute Leben und auch vertraute Menschen und vertraute Abläufe brauche, da sie mir ein stückweit Sicherheit und Halt geben im Leben, so habe ich doch immer wieder Dinge in meinem Leben geändert oder habe eine andere Richtung eingeschlagen. Oftmals waren es Arbeitsstellen, die ich kündigte. Einmal gab ich eine Arbeitsstelle auf, die eigentlich ein Sechser im Lotto gewesen war. Jedenfalls meinten das die anderen, die nicht verstehen konnten, wie ich eine solche Bombenanstellung einfach aufgeben konnte. Aber auch im privaten Bereich habe ich die eine oder andere Entscheidung getroffen, die meinem Leben eine radikal andere Richtung gab und die nicht immer jeder verstehen konnte. Aber – muss es das denn? Soll ich es Anderen recht machen oder mir selbst? Nicht immer war meine Entscheidung einfach, aber sie war immer richtig. Denn mein Herz oder mein innerer Kompass gaben mir die Richtung vor und die Gewissheit, dass dieser Weg richtig und notwendig ist. Als Gefühlsmensch lasse ich mich meist von meinem Herzen oder meinem Bauchgefühl leiten und ich lag bisher selten falsch. Überhaupt glaube ich, dass wir Menschen uns viel mehr von unserem Inneren leiten lassen sollten, denn der innere Ratgeber, unser Herz, ist jener, der uns doch am allerbesten kennt und der es gut mit uns meint. Warum nur vertrauen wir oftmals anderen Menschen und ihren „gutgemeinten“ Ratschlägen mehr, als uns selbst?

Neue Wege

Vor ein paar Wochen kam es also, warum weiß der Himmel, dass ich in diese kleine, und wie sich herausstellte wunderschöne Straße einbog und sie entpuppte sich wirklich als ein kostbares Kleinod inmitten einer ansonsten nicht wirklich schönen Stadt. Es ist eine in einem runden Bogen verlaufende, ruhige Straße mit schönen und teilweise renovierten Gründerzeithausfassaden, die vom Krieg in der ansonsten ziemlich zerbombten Stadt verschont blieben. Alte, hochgewachsene Bäume säumen den Straßenrand und an einer Stelle lugt zwischen den Häusern der Kirchturm mit seiner goldenen Spitze einer der schönsten Kirchen Offenbachs hervor. Ich erinnere mich, dass ich vor vielen Jahren einmal in dieser Kirche, dessen Eingang in einer anderen Straße liegt, in einem Orgelkonzert war. Ganz ruhig und fast ein wenig verschlafen und verwunschen mutet dieses kleine Sträßchen an und man merkt in ihr nichts von dem Trubel der ansonsten lauten Offenbacher Innenstadt.

Warum nur habe ich all die Jahre nicht dieses kleine Sträßchen bemerkt bzw. es im wahrsten Sinne des Wortes links liegen lassen? Wie schade. Jetzt, wo ich bald nicht mehr hier sein werde, habe ich dieses Kleinod entdeckt. All die Jahre ging ich meine eingefahrenen immer gleichen Wege, ohne zu bemerken, dass es da noch einen anderen Weg gibt, der nur darauf wartete, betreten zu werden!

Neue Wege gehen bedeutet, den Blick zu weiten und sich neue Horizonte zu eröffnen. Es bedeutet, neue Gedanken zu denken und neues Leben in sich zu entdecken.

Ich wünsche uns allen, dass wir den Mut haben, uns von unserem inneren Kompass leiten zu lassen und vielleicht ab und zu mal einen neuen Weg einzuschlagen. Das ist ein Abenteuer. Manchmal ein kleines und manchmal sogar ein großes. Eines wird uns aber gewiss sein: Wir spüren uns wieder und merken, dass das Leben so manch eine Gelegenheit und Überraschung für uns bereit hält. Wir müssen sie nur ergreifen!

Hier das Flugblatt des Artikels zum Herunterladen und Verteilen.

2 Kommentare zu „Neue Wege gehen

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