Willkommen im Paradies – Oder: Tammy kam, sah und liebte

So, nun bin ich also schon drei Tage in meiner neuen Heimat und endlich komme ich dazu, mich an mein Notebook zu setzen und meine ersten Eindrücke und Erlebnisse niederzuschreiben und mit Euch, meinen lieben Freunden, zu teilen.

Tschechien für Anfänger

Wie Ihr Euch vorstellen könnt, hat man, wenn man irgendwie neu zugezogen ist, erst einmal allerhand zu tun. Die Kisten müssen ausgepackt, Schränke eingeräumt und die neue Umgebung erkundet  werden. Und vor allem müssen leidige Behördengänge getätigt werden. Dazu gehört die Anmeldung bei der Fremdenpolizei, die Eröffnung eines Bankkontos, der Besuch bei der staatlichen tschechischen Krankenkasse, um den Passierschein E106 – ähh, nein, das war ja bei Asterix – nein, ich meine hier das Formular E106, abzugeben. Dieses berechtigt mich, im europäischen Ausland zum Arzt zu gehen. Ich strebe jedoch an, längerfristig meine deutsche Krankenkasse aufzugeben und zur tschechischen Krankenkasse zu wechseln. Dafür brauche ich aber eine Aufenthaltsgenehmigung. Die Frage ist, bekomme ich sie? Denn als EU Bürger kann ich mich ja unbegrenzt in jedem europäischen Land aufhalten. Eine Aufenthaltsgenehmigung ist eigentlich gar nicht nötig – außer, man möchte sich in dem jeweiligen Land krankenversichern. Dann braucht man sie eben doch. Und ja, krankernversichern würde ich mich gerne hier, denn die KV ist hier einfach unschlagbar günstig. Sie würde mich sage und schreibe 80 Euro monatlich kosten.

Schöne Sprache – schwierige Sprache

Also führt mich mein erster Weg ins nahe liegende Städtchen, natürlich in Begleitung eines Ortskundigen und lieben Freundes, der der tschechischen Sprache mächtig ist. Und diese Sprache ist, wie ein lieber Twitter Freund kürzlich meinte, wirklich ein hartes Brett. Oh meine Güte, die tschechische Sprache hat es wirklich in sich. Nicht nur, dass sie ein Zungenbrecher ist und man vor lauter Häkchen und Strichen kaum noch die Buchstaben sieht. Nein, auch die Grammatik ist ein Buch mit sieben Siegeln.

Perspektivwechsel

Der Weg führt uns durch eine idyllische, hügelige Landschaft, die mich stark an das Hinterland des Bodensees erinnert. Wir fahren auf lieblichen Landsträßchen, über sanfte Hügel, vorbei an saftigen Wiesen auf denen glückliche Kühe, Schafe und Pferde friedlich grasen. Manchmal kommen wir durch kleine, verschlafene Dörflein, die wie aus der Zeit gefallen scheinen. Manche Häuser sind halb verfallen und alles andere als perfekt aber strahlen doch eine Gemütlichkeit und Einfachheit aus, der ich kaum widerstehen kann. So angenehm ist dieses Unperfekte. Es kommt mir irgendwie ehrlicher vor und authentischer als die oftmals aufgemöbelten aber gesichtslosen Hochglanzfassaden, die ich aus deutschen Städten kenne inklusive der gesichtslosen Hochglanzmenschen, die in schicken Vorort-Quartieren ihr trauriges Dasein fristen. Auch ich habe so gelebt.

Am Straßenrand fahren wir an etlichen Obst- und Gemüseständen, an denen Kartoffeln, Erdbeeren oder Zwiebeln verkauft werden, vorbei. Und in jedem Ort gibt es mindestens einen Softeisverkaufsstand. Das scheint eine Besonderheit in Tschechien zu sein. Hier ist das Softeis ganz groß in Mode und sogar das kleine Dörflein mit einer Handvoll Einwohnern, in dem ich wohne, hat neben zwei Tante Emma Läden solch eine kleine Softeisdiele. Übrigens gibt es hier viele Vietnamesen, die solch kleine Lädchen führen und die notwendigen Dinge des täglichen Bedarfs verkaufen. Eine weitere Besonderheit hier ist, dass die Läden, vor allem große Supermärkte am Rande der Stadt, sieben Tage die Woche geöffnet haben.

Nach einer unvergleichlichen Fahrt durch eine bezaubernde Landschaft erreichen wir schließlich die größere Stadt und gleich fällt mir auf, dass es hier überhaupt keine Verschleierten und auch keinerlei Migranten gibt. Entsprechend gibt es auch nicht diese furchtbaren In- und Export-Läden, die Deutschlands Innenstädte verunstalten und nicht mehr lebenswert machen. Wir laufen durch eine gepflegte Parkanlage unter großen Bäumen und saftigen Rasenflächen und ich sehe keinen herumliegenden Müll, keine provozierenden, herumstreunernden Migrantengrüppchen und auch keine mutwillig zerstörten oder verschmierten Parkbänke. Hier ist alles ruhig, gepflegt und lädt zum Verweilen ein. Überhaupt gibt es massenhaft Parkbänke in diesem verwunschenen Park. Fast alle 5 Meter steht eine Bank. So etwas habe ich in Deutschland selten gesehen. Meist war ich froh, wenn es überhaupt eine Parkbank gab und sie nicht so versifft und beschädigt war, dass man sich gar nicht auf ihr niederlassen wollte.

In der Stadt gibt es, wie in Deutschland, diverse Shopping Center mit teilweise ähnlichen Geschäften wie in Deutschland. Nur mit dem Unterschied, dass diese Shopping Center sehr einladend gestaltet sind und lange nicht so hektisch und überfüllt wirken wie jene, die ich aus Deutschland kenne. Es ist irgendwie alles ruhiger hier und die Menschen wirken entspannter. Die Nutzung der sehr sauberen öffentlichen WCs in den Shopping Centern ist kostenlos. Selten, außer in der Schweiz, habe ich solch saubere öffentliche WCs gesehen. Und das auch noch kostenlos. Unglaublich. Auch Toilettenfrauen gibt es hier nicht.

In der Stadt fallen mir viele Stoffgeschäfte auf. In deutschen Städten gibt es sie ja kaum noch. Die Tschechen scheinen noch viel selber zu nähen. Wir betreten ein „Obchodni dum“, das war ein ehemaliger kommunistischer „Konsumtempel“, in dem heute diverse kleine Geschäfte beheimatet sind und der erst mal nicht wirklich einladend aussieht. Mich interessiert ein Stoffgeschäft dort, das ein wenig an eine kleine Lagerhalle erinnert. So viele Stoffe auf einem Haufen habe ich wirklich noch niemals gesehen. Es ist ein Stoff-Paradies. Schade, dass ich nicht nähen kann. Macht aber nichts. Eine überhaus freundliche Frau sagt, dass sie dort auch auf Wunsch nähen. Und das alles für einen Apfel und ein Ei.

Freundliche Menschen

Sowohl in der Bank, als auch in der Dependance der staatlichen Krankenkasse und in den verschiedenen Ladengeschäften begegnen mir sehr freundliche und hilfsbereite Menschen.

Mir fällt die Gegensätzlichkeit in der Stadt auf. Neben den typisch kommunistischen Zweckbauten und auch Plattenbauhäuern gibt es wunderschön renovierte Häuser mit verschnörkelten Gründerzeitfassaden, die einen gemütlichen Platz mit Kopfsteinpflaster und Brunnen in der Mitte säumen. Und neben ultramodernen Shopping-Centern stehen die alten „Obchodni dum“, die zwar schon bessere Tage gesehen haben aber doch irgendwie faszinierend wirken. Aus der Zeit gefallen eben.

Interessant finde ich, dass es in Tschechien in den teilweise sehr großen Einkaufsmärkten viele SB Kassen gibt. Das kenne ich in Deutschland nur von IKEA. Das ist wiederum sehr fortschrittlich. Oder auch nicht, wie man es nimmt. Der Job der Kassiererin ist hier eher nicht zukunftsträchtig. Der gemeine Tscheche scannt selbst.

Krönung des Tages

Schließlich lassen wir einen ereignisreichen Tag in einem Café ausklingen, das so besonders ist, dass ich hier einen gesonderten Artikel darüber geschrieben habe. Nur so viel: Es war der faszinierendste Cafébesuch meines ganzen Lebens. Und das lag nicht nur daran, dass es dort keinen Corona-Mindestabstand oder verängstigte, indoktrinierte Massen-Menschen gab. Nein, dieser außergewöhnliche Cafébesuch ließ uns auf einen außergewöhnlichen Menschen treffen. Ich bin sicher, dass ich nicht das letzte Mal dort gewesen sein werde.

Übrigens entfällt in Tschechien ab 1. Juli die Mundschutzpflicht und in den Restaurants und Cafés muss man sich nicht wie in Deutschland in irgendwelche Kontrolllisten eintragen. Insgesamt ist hier alles entspannter, ruhiger und erfrischend authentisch. Eine Tasse Cappuccino kostet hier umgerechnet ca. 2 Euro und ein Croissant kostet ca. 36 Cent.

Während ich diese Zeilen schreibe, sitze ich am Fenster und schaue auf einen Apfelbaum, der am Zaun auf einer frischen, saftigen, grünen Wiese steht, die übersät mit Gänseblümchen und Löwenzahn ist. Draußen ist in weiterer Ferne Gewittergrollen zu hören, der wohl dem heißen Sommertag heute den Garaus machen wird. Die Vögel zwitschern noch zaghaft als fürchteten sie sich vor dem bevorstehenden Gewitter. Heute Morgen wurde ich von einem Kuckuck begrüßt und im Garten nebenan hält eine alte Frau Hühner, die munter vor sich hin gackern. Das Bächlein neben dem Haus plätschert geruhsam und gleichmäßig vor sich hin und draußen im Garten wartet eine Holz-Schaukel darauf, bald wieder von mir beschaukelt zu werden. Mein Leben lang liebte ich es, zu schaukeln. Das Donnern wird jetzt lauter, der Himmel dunkler. Dunkte Wolken türmen sich auf. Jetzt beginnt es langsam zu regnen. Ich bin müde und habe noch so viel zu tun. Aber ich fühle mich wohl. Es ist so ruhig und friedlicher hier. Ein Balsam für die Seele ist diese beschauliche Einfachheit und die Schönheit der Natur, die ich so aus dem dicht besiedelten Deutschland und der lauten und hektischen Stadt nicht kenne.

So muss sich das Paradies anfühlen. Ich bin froh, dass ich hier sein darf.

10 Kommentare zu „Willkommen im Paradies – Oder: Tammy kam, sah und liebte

  1. Danke für das . Wir sind in Dänemark vor 10 Jahren eingewandert,ahnend was in den deutschen Gebieten kommen wird. Wie du es sagst. Hier gibt es keine Masken, es gibt überall livemusik, Es wird gefeiert in den Läden ist alles wie immer entspannt wie hier in den Restaurants. Grüße aus Marielyst. Und Rostock meiden wir nun seit März total. Weil in Rostock ist die >Indoktrination wohl am höchsten.

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  2. Gratulation, liebe Tammy

    das ist wohl der schönste Artikel, den Du in den letzten Jahren geschrieben hast.
    Da kann sich jeder mitfreuen, der Dich hier liest.
    Unseren guten Goethe etwas abgewandelt : Dort bist Du Mensch, dort musst Du bleiben.
    Ganz liebe Grüße in das Paradies nach Tschechien und weiterhin alles Gute

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  3. Hallo und herzlich willkommen in der neuen Heimat. Freut mich, dass es Dir hier auch gefällt und Du hoffentlich Deinen Mittelpunkt gefunden hast.

    Herzliche Grüße aus Prag!

    Olaf

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