Nennt Ihr das Seele?

Gerne teile ich hier mit Euch in loser Abfolge Gedichte, die mein Herz berühren oder eine bestimmte Saite in mir zum Klingen bringen.

Manchmal sollten wir uns die Zeit nehmen, inne zu halten und ein klein wenig weg vom Trubel des äußeren Lebens hin zu einer inneren Ruhe und Frieden zu kommen. Mir gelingt das ganz gut durch das Betrachten von Gemälden und auch durch das Lesen oder Rezitieren von Gedichten. Hier sprechen mich vor allem die Gedichte von Rainer Maria Rilke sehr an. Sie berühren meist besonders mein Herz und beschreiben eine Sehnsucht, die ich nicht mit allen Worten der Welt ausdrücken könnte. Dieses nachfolgende Gedicht ist einer meiner liebsten Gedichte, das ich neben anderen auswendig gelernt habe, damit ich es bei mir habe und jederzeit in Gedanken rezitieren kann.

Nennt Ihr das Seele?

Nennt ihr das Seele, was so zage zirpt
in euch? Was, wie der Klang der Narrenschellen,
um Beifall bettelt und um Würde wirbt,
und endlich arm ein armes Sterben stirbt
im Weihrauchabend gotischer Kapellen, –
nennt ihr das Seele?

Schau ich die blaue Nacht, vom Mai verschneit,
in der die Welten weite Wege reisen,
mir ist: ich trage ein Stück Ewigkeit
in meiner Brust. Das rüttelt und das schreit
und will hinauf und will mit ihnen kreisen …
Und das ist Seele.

Rainer Maria Rilke

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