Meinungslenkung durch Nudging

Gastbeitrag von Robert Abderhalden

In diesem Text möchte ich erklären, wie sich die Regierungen einer Methode bedienen, die Deutungshoheit über die Worte zu bekommen und dadurch die Menschen zu manipulieren. Stichwort „verordnetes Denken“.

Tamara hat sich dieses Themas bereits in ihrem Artikel “Ich versteh die Welt nicht mehr – Fachkräftemangel durch Zuwanderung beheben?“ angenommen. Gerne möchte ich es an dieser Stelle vertiefen.

Die Welt hat kürzlich drei gleichlautende Artikel zum Thema „Fachkräftemangel und Zuwanderung“ auf ihrer Startseite nebeneinander platziert. War das Zufall? Oder steckt mehr dahinter?

Fachkräftemangel – dieses Wort ist eines von vielen Wörtern, mit denen wir tagtäglich indoktriniert werden. Warum werden wir so penetrant mit bestimmten Wörtern und Begriffen bombardiert?

Wording und Nudging – Worum geht es?

Wording (englisch) wird übersetzt mit „Wortlaut“, „Formulierung“ etc. und steht, laut Wikipedia, für Sprachreglung in der Öffentlichkeitsarbeit.

Galt früher die Deutung eines Wortes mehrheitlich dem allgemeinen öffentlichen Sprachgebrauch, so hat sich dies neuerdings zur sogenannten Sprachreglung durch Instanzen verschoben. Wer also die Sprachreglung bestimmt, steuert den öffentlichen Diskurs.

Nudge (englisch) wird übersetzt mit „anstoßen“, „anschubsen“ und steht laut Wikipedia für einen Begriff der Verhaltensökonomie, der durch den Wirtschaftswissenschaftler Richard Thaler und den Rechtswissenschaftler Cass Sunstein und deren Buch „Nudge: Improving Decisions About Health, Wealth, and Happiness“ (deutsch Nudge: Wie man kluge Entscheidungen anstößt) von 2008, geprägt wurde: Unter einem Nudge verstehen die Autoren eine Methode, das Verhalten von Menschen zu beeinflussen, ohne dabei auf Verbote und Gebote zurückgreifen oder ökonomische Anreize verändern zu müssen. Seit dieser Veröffentlichung findet der Begriff auch in anderen Gebieten Anwendung, etwa der Marketing-Kommunikation.

Wer schubst uns?

Vereinfacht ausgedrückt bedeutet „anstoßen“ nichts anderes, als dass durch pausenloses Wiederholen eines Wordings, Wortlaute oder Formulierungen in die Köpfe der Bürger eingehämmert werden. Wie sind also die uns rund um die Uhr inflationär um die Ohren gehauenen Wordings „Wir schaffen das“, „Fachkräftemangel“, „noch nie ging es Deutschland so gut, wie heute“, „Nazi“ usw. einzuordnen? Wer schubst uns Bürger?

Nudge Units

Haben Sie schon einmal vom Behavioral Insights Team (BIT), inoffiziell auch „Nudge Unit“ genannt, gehört?

Gestartet wurde es 2010 durch die britische Regierung, deren Aufgabe es war, Wege zu finden, die Nudge-Theorie zur Verbesserung der Regierungspolitik und staatlicher Dienstleistungen einzusetzen. Im April 2013 wurde angekündigt, dass es als gegenseitiges Joint Venture teilweise privatisiert wird. Am 5. Februar 2014 wurde das Eigentum zu gleichen Teilen auf die Regierung, die Wohltätigkeitsorganisation Nesta und die Mitarbeiter des Teams aufgeteilt.

NESTA (National Endowment for Science, Technology and the Arts) wurde 1998 durch einen britischen Parlamentsbeschluss gegründet. Am 1. April 2012 wurde die alte „NESTA“ in eine gemeinnützige Organisation umgewandelt und verkürzte ihren Namen auf neu „Nesta“.

Nesta ist derzeit in den folgenden fünf Schwerpunktbereichen tätig:

Kreativwirtschaft, Kunst und Kultur: Entwicklung der Kreativwirtschaft (durch Forschung und politischen Einfluss) und Entwicklung neuer Wege zur Finanzierung von Organisationen in der Kunst.

Bildung: Unterstützung aller Lernenden bei der Vorbereitung auf zukünftige Chancen und Herausforderungen und bei der optimalen Nutzung der neuen digitalen Technologien im Bildungsbereich.

Gesundheit: Schaffung eines Gesundheits- und Versorgungssystems, das es den Menschen ermöglicht, ein gesünderes und unabhängigeres Leben zu führen.

Innovationspolitik: Entwicklung besserer Methoden zum Verständnis und zur Unterstützung von Innovationen in der Wirtschaft zum Nutzen der Allgemeinheit, von Daten bis hin zu Experimenten.

Innovation der Regierung: Unterstützung von Regierungen und Gemeinschaften bei der Neugestaltung der öffentlichen Dienste und der Neuordnung der Rolle der Beamten, um sie für die Zukunft fit zu machen.

Was hier so schön und nett beschrieben wird, kann man getrost als Schlüsselbereiche des öffentlichen Lebens bezeichnen. In diesen Bereichen kann man also davon ausgehen, von Regierungsseite in eine bestimmte Richtung geschubst oder gelenkt zu werden!

Die Köpfe von Nesta

Leiter der Organisation ist Sir John Gieve. Von 2001 bis 2005 war Gieve als Staatssekretär im Innenministerium tätig. Anfang Januar 2006 wurde Gieve zum neuen stellvertretenden Gouverneur für Finanzstabilität bei der Bank of England ernannt. Am 30. April 2006 berichtete die britische Tageszeitung The Independent, dass Gieve wegen finanzieller Misswirtschaft im Innenministerium während seiner Zeit als Staatssekretär und seiner Beteiligung an der   Gefangenenaffäre zum Rücktritt von der Bank of England gedrängt wurde.

Chief Executive ist Geoff Mulgan. Frühere Stationen waren CEO der Young Foundation mit Sitz in London. Direktor der Strategieeinheit des Premierministers (früher bekannt als Performance and Innovation Unit). Direktor für Politik in der Downing Street 10 unter dem britischen Premierminister Tony Blair. Mitbegründer und Direktor des Londoner Think Tanks Demos (1993-98). Chefberater des Abgeordneten Gordon Brown Anfang der 90er Jahre. Er hat eine Reihe von Büchern geschrieben, darunter „Kommunikation und Kontrolle: Netzwerke und die neuen Ökonomien der Kommunikation“ (1991), „Politik in einem anti-politischen Zeitalter“ (1994), „Konnexität“ (1997), „Gute und schlechte Macht: die Ideale und Verrat der Regierung“ (2006) und „Die Kunst der öffentlichen Strategie“ (2009).

Wenn ich mir die Vitas der beiden Chefs von Nesta so anschaue, so komme ich zu der Überzeugung, dass es sich um politisch versierte Schwergewichte handelt und es kein Zufall ist, dass gerade sie an der Spitze von Nesta stehen.

Wenn Sie mir bis dahin gefolgt sind, wird es Sie wohl kaum erstaunen, dass es mittlerweile weltweit über 80 Behavioral Insights Teams (Nudge Units) gibt.

Viele Länder setzen Nudge units ein

Bis heute haben über ein Dutzend Länder Verhaltensinformationen in ihre Aktivitäten integriert. Die Zusammenarbeit variiert dabei von zentral oder dezentral bis vernetzt. Wenig erstaunlich ist, dass in Deutschland die Aktivitäten gebündelt über das Kanzleramt koordiniert werden. In England ist es das Büro des Premierministers und in den USA, ursprünglich das White House Office of National Science and Techology Policy.

Die Teams arbeiteten direkt mit den Durchführungsbehörden an der Diagnose, dem Design, der Prüfung und der Bewertung verhaltensbezogener Interventionen. In allen drei Beispielen wurden aber auch Verhaltensteams auf Minister- und/oder Landesebene gebildet. Die Bundesteams übernahmen die allgemeine strategische Führung, den Aufbau von Kapazitäten und die direkte Unterstützung anderer Regierungsstellen.

Selbstverständlich dürfen wir an dieser Stelle nicht die EU vergessen. Und so schreibt die EU auf ihrer Internet-Seite: „The European Commission’s science and knowledge service“:

Behavioral Insights Team sammelt Beiträge aus verschiedenen Disziplinen der Verhaltenswissenschaften wie der Verhaltensökonomie, der Sozial- und Kognitionspsychologie und der Anthropologie. Das Joint Research Centre (JRC) nutzt Erkenntnisse aus diesen verschiedenen Disziplinen, um die Politikgestaltung der EU zu unterstützen, indem sie Verhaltenselemente in der Politik identifiziert und Verhaltenshebel zur Steigerung ihrer Wirksamkeit vorschlägt.

Anmerkung von mir: Von der EU verordnetes betreutes Denken.

Schlussbemerkung

Das Nudging darf man auf keinen Fall verharmlosen, denn es ist wie eine Krebszelle, die sich durch permanentes Duplizieren, in alle Ecken und Winkel des öffentlichen Lebens einnistet. Nudging ist die Wunderwaffe des tiefen Staates (DeepState). Will man den tiefen Staat bekämpfen, muss man das Wording, Nudging außer Gefecht setzen.

Und so schreie ich meinen Hilferuf hinaus: Wo sind die Deutschen Philosophen in Gestalt eines Schopenhauer der Gegenwart?

4 Kommentare zu „Meinungslenkung durch Nudging

  1. Sehr guter Beitrag zur Aufklärung über die Methoden zur Manipulation und Gehirnwäsche.
    Gott sei Dank werden es täglich immer mehr, bei denen Wording, Nudging, Framing oder welche Psychotricks auch immer nicht mehr verfangen. Auf Menschen, die sich der Politischen Korrektheit konsequent widersetzen und den Wahrheitsgehalt der öffentlich-rechtlichen und privaten Mainstream-Medien vollständig in Frage stellen, ist das System nicht vorbereitet. Hierin sehe ich die wirksamste Waffe gegen Indoktrination und Massenverdummung anzukämpfen. Stell dir vor niemand glaubt der Propaganda, geschweige denn bezahlt noch dafür. Das System wäre am Ende und könnte sich nur noch mit Repression, offener Gewalt und gekaufter Opportunität über Wasser halten. Ein Zustand, der auch dem realen Sozialismus in der DDR und dem gesamten Ostblock das Genick gebrochen hat. Das System ist nur zu knacken, indem seine Opportunisten in gefährliches Hintertreffen geraten.

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