Wollt Ihr den totalen Konsumverzicht? Oder: Herr Rossi sucht das Glück!

Kannst Du Dir vorstellen, in einer Lehmhütte im Wald zu leben, ohne Fließend Wasser, ohne Strom und ohne jeglichen Komfort? Wie stünde es um unsere Gesellschaft, um unser Leben, wenn jeder dies tun würde?

Zurück in die Steinzeit

Heute las ich einen Artikel über den Aussteiger Friedmunt Sonnemann, der seit 32 Jahren in einer Lehmhütte im Wald lebt, ohne Wasser- und Stromanschluss und auch ohne WC. Seine Notdurft verrichtet er auf einem Klo mit Trockenkompostierung.  Wasser zum Trinken holt er sich aus einer nahe gelegenen Quelle. Auf ein wenig Komfort wie eine Waschmaschine und Akkuschrauber möchte er aber dann doch nicht verzichten.

Kannst Du Dir vorstellen, so zu leben? Oder annähernd so?

Wollt Ihr den totalen Konsumverzicht?

Viele, gerade aus Reihen der Klimabewegung (FFF, Letzte Generation…) und der grünen Partei predigen uns ja den totalen Konsumverzicht und die völlige Abkehr von Errungenschaften und Komfort der letzten Jahrzehnte wie jederzeit verfügbarer und bezahlbarer Strom, Wärme, Wohlstand, Urlaube und freie Mobilität. Aber auch unabhängig von diesen Klimaextremisten gibt es viele Menschen, die Konsum für schlecht, schädlich und falsch halten. Sie fühlen sich moralisch überlegen, weil sie nicht dem bösen Konsum frönen. Meinen sie.

Ich stelle mir vor, wie es auf unserer Welt aussähe, wenn wir alle so oder annähernd so wie Lehmhütten-Friedmunt leben würden? Der obige Artikel ist im derzeitigen Kontext nicht einfach nur ein harmloser Bericht über einen exotischen Menschen. Nein, ich verstehe ihn so, dass er Teil der Regimepropaganda ist, die uns ein zukünftiges Leben in Armut, ohne Energiesicherheit und mit zahlreichen Entbehrungen schmackhaft machen will bzw. uns in die Richtung des Konsumverzichts stupsen oder stoßen (Nudging) möchte! Was man unter Nudging versteht, hat Robert Abderhalden in einem lesenswerten Artikel erklärt! Hier ist er: Meinungslenkung durch Nudging  

Konsumenten konsumieren Konsumgüter

Und Verbraucher verbrauchen Verbrauchsgüter. Ja, wir sind Konsumenten und Verbraucher. Und ich sehe auch nicht, warum das ein Problem sein sollte. Wir profitieren davon, dass es zahlreiche Waren oder Konsumgüter gibt, die wir uns kaufen und die wir verbrauchen und konsumieren können. Unsere Gesellschaft, unser Wohlstand bauen genau darauf auf. Menschen stehen morgens auf, gehen zur Arbeit, sind produktiv, indem sie Waren oder Dinge produzieren. Unternehmer haben eine Geschäftsidee, gehen Risiken ein und gründen Unternehmen, schaffen somit Arbeitsplätze und ermöglichen es ihren Angestellten und Arbeitern und natürlich sich selbst, ihr Leben zu bestreiten. Dabei haben manche mehr und andere weniger. Auch dagegen ist überhaupt nichts zu sagen.

Ja, Herr Rossi möcht noch mehr, oder: Ist Konsum schlecht?

Ich gebe zu, ich konsumiere gerne. Ich kaufe mir gerne ab und zu schöne und eigentlich unnötige Dinge. Zum Beispiel Handtaschen.

Wenn ich samstags bummeln gehe und ich mir eine Handtasche kaufe, die ich zwar überhaupt nicht brauche, da ich schon sehr viele Handtaschen habe, die mir aber trotzdem wahnsinnig gut gefällt und ich sie trotzdem erwerbe, obwohl ich sie nicht brauche, dann verdient Herr Müller, der Inhaber des kleinen Lederwarengeschäfts in der Altstadt Geld damit. Mit diesem Geld bestreitet er sein Leben, bezahlt seine Ladenmiete und seine Angestellten im Ladengeschäft, die wiederum mit ihrem Gehalt ihre Familien versorgen. Da ist seine Angestellte, die Verkäuferin Sonja, Mutter von zwei kleinen Kindern, die in Teilzeit vormittags bei Herrn Müller arbeitet und froh ist, zu dem nicht sehr üppigen Gehalt ihres Mannes noch etwas hinzuverdienen zu können. Sonst kämen sie nicht über die Runden. (Warum das Gehalt ihres Mannes nicht für beide ausreicht und warum die Miete im Ballungsgebiet exorbitant hoch ist, das ist ein anderes Thema und leider in der Tat ein großes Problem! Aber darum geht es mir hier nicht.)

Herr Rossi sucht das Glück

Herr Müller, der Ladeninhaber bezieht seine Lederwaren bei Herrn Rossi, einem Großhändler in Italien. Seine Firma „Rossi-Borse“ Commercio all’ingrosso di pelletteria (Großhändler) versorgt Deutschland, Österreich und die Schweiz mit Lederwaren aller Art. Herr Rossi hat ein sehr großes Unternehmen mit Sitz in Bergamo und beschäftigt Hunderte Angestellte im In- und Ausland, die wiederum ihre Familien mit ihren Gehältern versorgen. Herr Rossi sucht natürlich sein Glück, so wie wir es alle tun, und kauft bzw. ordert seine Handtaschen und Portemonnaies bei verschiedenen Lederwaren-Kleinbetrieben in ganz Italien, die in oftmals mühevoller Kleinarbeit die Lederwaren anfertigen. All diese vielen kleinen und mittleren Lederwarenbetriebe und Taschenmanufakturen beschäftigen ihrerseits Designer, Täschner sowie Angestellte im Vertrieb und im kaufmännischen Bereich. Und sie kaufen Leder bei Gerbereien und sonstige Produktionsmittel wie Nähmaschinen, Garne, Knöpfe, Reißverschlüsse bei diversen Betrieben unterm anderem auch in Deutschland. All diese vielen Menschen verdienen ihr Geld und bestreiten ihr Leben also damit bzw. dadurch, dass ich, die taschenliebhabende Tamara sich ab und zu mal ein Täschchen leistet oder schenken lässt. Wenn ich nur eine einzige Handtasche hätte, die ich ausschließlich nutzen würde und mir niemals mehr eine zweite, dritte oder x-te kaufen würde und wenn das alle anderen ebenso tun würden, dann, ja, was wäre dann?

Ja, Herr Rossi hat nen Wunsch…

Die Handtasche steht stellvertretend für jedes andere Konsum- oder Verbrauchsgut. Es können Uhren sein oder Parfum, Autos, Dekorationsgegenstände, Haushaltswaren, Schmuck, Elektronik, Bastelzubehör, Textilien, Möbel usw. Wenn wir alle zuhause nur das Allernötigste hätten und niemals mehr etwas dazukaufen würden, dann würde unser ganzes System zusammenbrechen. Dann gäbe es keine Arbeit mehr und Unternehmen, wie das von Herrn Rossi und das von Herrn Müller und das Leben von Millionen Menschen hätte keine Lebensgrundlage mehr. Der Staat wäre dann auch pleite, denn er lebt ja von Steuereinnahmen, also davon, dass Menschen wie Herr Rossi oder Herr Müller und seine Angestellte, die Verkäuferin Sonja produktiv sind. Ob wir so unser Glück finden können?

Lehmhütten-Friedmunts Lebenslüge

Kein Stück bewundere ich Lehmhütten-Friedmunt, wie er da in seinem Wald (der ihm gehört!) in einer Lehmhütte haust mit seinen ungepflegten, fettigen Haaren und seinen verlausten Kleiderfetzen. Was tut dieser Mensch eigentlich, außer sich selbst zu gefallen? Wem hilft er? Inwiefern trägt dieser Aussteiger mit dazu bei, dass unser Land lebenswert bleibt und unser System und unsere Art zu leben, die er kritisiert, funktioniert? Nichts von alledem tut er. Er hält sich selbst am Leben. Ok. Aber für andere tut er nichts. Er steht nicht morgens auf und geht in die Firma malochen um ein paar Kröten zu verdienen und seine Kinder zu versorgen oder um bei der Müllabfuhr täglich den Müll abzuholen, um unsere Stadt und Straßen sauber zu halten. Er hat sich aus dem gesellschaftlichen Leben, aus der Gemeinschaft ausgeklinkt. Und dann ist er aber noch so inkonsequent und nutzt eine Waschmaschine, weil ihm das Wäschewaschen mit Waschbrett am Fluss dann doch zu mühsam ist. Dass diese Waschmaschine von einem Unternehmen produziert wurde, von Menschen, die allmorgendlich zur Arbeit gehen, dass diese Maschine von Menschen mit einem fahrbaren Untersatz zu ihm geliefert und vielleicht auch angeschlossen wurde, das hat er anscheinend vergessen. Wären es Menschen wie er gewesen, die sich einfach aus allem ausgeklinkt und in den Wald zurück gezogen hätten, dann könnte er gar nicht im Besitz einer Waschmaschine sein, oder eines Akkuschraubers. Dann gäbe es all das gar nicht oder kaum. Dann würde er in die Röhre gucken und wir alle ebenso. Alles hängt an Allem.

Nicht nur Herr Rossi, wir alle suchen das Glück!

Wenn wir nicht mehr konsumieren, dann gibt es keinen Herrn Rossi mehr und wenn Herr Rossi sein Glück nicht findet, dann finden wir es ebenso wenig!

Dass der Konsum allein glücklich und zufrieden macht, behaupte ich selbstverständlich nicht! Sein Glück oder seine innere Zufriedenheit muss jeder selbst finden mit was auch immer. Ich verurteile aber nicht Menschen, die konsumieren. Im Übrigen kann man nicht nur Gegenstände sondern auch Kunst, Kultur und sogar Menschen konsumieren.

Konsum ist nicht alles, aber ohne Konsum ist alles nichts!

Herr Rossi sucht das Glück

Denn Herr Rossi sucht das Glück…
Sucht man es, so fehlt ein Stück,
Ja es fehlt ein Stück vom Glück

Ja, Herr Rossi hat ’nen Wunsch,
Eis vom Nordpol, flambiert, mit Punsch, eine Schokoladenburg –
3 Stück Kuchen, 6 Kaffee, 20 Törtchen, dazu Tee –
Was noch, was noch, was noch?

Ja, Herr Rossi möcht noch mehr,
So ein Auto macht was her,
Auch mal Sekt, statt immer Milch –
Mal wie ’n Reicher sich benehmen, in der Spielbank Geld ausgeben –
Was noch, was noch, was noch?

Ja, Herr Rossi sucht das Glück,
Er will nur vom Glück ein Stück –

Andere können alles haben,
Können sich an Feinstem laben,
Und von eben diesen Gaben,
Möcht‘ Herr Rossi auch was haben!“

Sonne, Sonne, Himmel, Sonne –
Wasser, Wasser, Strand und Sonne –
Berge, Berge, Echo, Echo –
Blumen, Blumen, 20 Blumen –

Ja, das wär Herr Rossis Glück,
Das wär mehr als nur ein Stück,
Doch ihm fehlt ein Stück vom Glück.

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