Werbung aus einer längst vergangenen Zeit – Teil 1

Es gibt Dinge im Leben, die werden wir niemals vergessen, sind sie doch Teil unserer sehnsüchtigen Erinnerung an eine schöne und bessere Zeit. Und manchmal sind es so banale Dinge, wie Blumenaufkleber, die damals unsere Küche schmückten und unsere Herzen erfreuten. Ein wenig wenigstens.

Wer kennt sie nicht, die Pril-Blume?

Willst Du viel, spül mit Pril – lautete einst der eingängige Werbespruch für ein Spülmittel. Und tatsächlich hat er sich für alle Zeiten in mir eingebrannt. Genauso wie das Bild von einer patenten Frau namens Tilly, die andere Hausfrauen aus mir völlig unerfindlichen Gründen immerzu dazu animierte, ihre Hände nicht in Unschuld, aber dafür in Spülmittel zu baden. In Palmolive Spülmittel natürlich. Das war eines der größten Mysterien meiner Kindheit, nämlich die Frage, warum um alles in der Welt ein Mensch seine Hände in Spülmittel baden sollte. Ich fragte mich als Kind immer, was die gute Tilly eigentlich sonst noch so machte, als Frauen dazu zu animieren, ihre Hände in ein Spülmittelbad zu tauchen. Bis heute ist dies für mich eines der letzten ungelösten Rätsel der Menschheitsgeschichte.

Das Beste waren jedoch die bunten Pril-Blumen, die auf jeder Pril Flasche als Aufkleber angeklebt waren und mit denen wir Kinder und manchmal auch unsere Eltern so gerne die langweiligen 70er Jahre Küchen verschönerten. Vor allem am weißen Fliesenspiegel oberhalb der Spüle kamen sie besonders gut zur Geltung und da klebten sie dann und gingen nie mehr ab und zu ihnen gesellten sich immer weitere Pril-Blumen und verwandelten die langweilige Einbau-Küchenzeile in ein buntes Pril-Blumenmeer.

Da weiß man, was man hat

Tilly, die Werbefigur der Firma Colgate- Palmolive begleitete uns Fernsehzuschauer durch die so weltbewegende Fernsehepoche der 70er, 80er und 90er Jahre. Sie war fester Bestandteil unseres gepflegten Fernsehabends und gehörte ebenso dazu wie der distinguierte Herr im Sparkassendirektor-Look mit olivenfarbenem Anzug und Krawatte vom Waschmittel „Persil“ mit der roten Schleife. Von diesem netten Herrn, der Uwe Barschel selig zu Verwechseln ähnlich sah, hätten wir uns ohne Bedenken auch eine Lebensversicherung aufschwatzen lassen, so vertrauensvoll, jovial kam er daher. Da wussten wir wirklich, was wir an ihm hatten.

Hallo, Herr Kaiser!

Fehlen darf hier natürlich auch nicht unser alter Bekannter, der nette Herr Kaiser von der „Hamburg-Mannheimer“, der ebenfalls mit zu den Personen zählte, die unser damaliges Fernseh(er-)leben prägten und sich in unser Vertrauen geschlichen hatte. Stets flott unterwegs, mit gut sitzendem Anzug und Aktenkoffer in der Hand wurde er von unzähligen Passanten auf der Straße freundlich gegrüßt. Die ganze Welt schien ihn zu kennen und zu lieben, den Herrn Kaiser, und auch für uns war er aus unserem Fernsehabend im trauten Familienkreise einfach nicht mehr wegzudenken.

Nicht nur sauber, sondern auch rein

Die Werbeheldin schlechthin meiner Kindheit war jedoch Clementine. Die burschikose Frau mit rot-weiß kariertem Hemd, weißer Latzhose und weißem Käppi präsentierte seit den 60er Jahren erst in schwarz-weiß und später in Farbe locker-flockig so etwas Langweiliges wie Waschpulver so dermaßen charmant und glaubhaft, dass mir Ariel immer als das beste aller Waschpulver in Erinnerung geblieben ist. Wäre da nicht….

Der weiße Riese

Dieses Waschpulver musste zwar ohne Werbefigur auskommen, punktete aber mit stimmungsvoller Sehnsuchtsmusik und endlos langen Leinen auf grünen, saftigen Wiesen, an denen blütenweiße Wäschestücke hingen und frisch duftend im Sommerwind wehten und flatterten. Manchmal streifte selig ein kleiner Junge mit wuscheligem Hund an den im Wind wehenden Wäschestücken vorbei und eine sonore Herrenstimme aus dem OFF versicherte uns, dass seine Waschkraft ihn so ergiebig mache. Herrlich war sie, diese wonnige Waschpulverwelt und jetzt waren wir restlos überzeugt: Dieses Waschpulver macht nicht nur unsere Wäsche sondern auch unser Leben glücklich, sauber und blütenrein.

So bestand unsere damalige Werbewelt aus lauter guten, alten Bekannten, die wir allabendlich freudig in unseren Wohnzimmern begrüßten, als wären es unsere besten Freunde. Sie gehörten einfach ebenso dazu, wie die Schrankwand Eiche-rustikal, der Wackeldackel und die WC- Rolle mit Häkelhaube auf der Hutablage im Auto. Diese feiert in diesen Tagen gerade wieder ihr Comeback. Dies ist jedoch eine andere Geschichte….

2 Kommentare zu „Werbung aus einer längst vergangenen Zeit – Teil 1

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