Über Asphaltrowdys und rücksichtslose Radraser – oder: Warum das Fahrradfahren seine Unschuld verloren hat

Auch auf die Gefahr hin, dass ich es mir jetzt mit einigen passionierten Radfahrern verscherze, so möchte ich trotzdem erläutern, warum mir das Fahrradfahren in Wokeland keinen Spaß mehr macht.

Radfahren früher – Herrliches Vergnügen

Früher fuhr ich liebend gerne Rad. Stundenlang fuhr ich als Kind und Jugendliche ziellos und verträumt durch die Gegend und hing meinen Gedanken und Träumen nach. Manchmal fuhr ich an der verwunschenen Erft, einem kleinen Bächlein in Bergheim, entlang oder ich fuhr über Felder, Wiesen und durch Wälder. Das war wunderschön und gehört wirklich zu meinen schönen Kindheitserinnerungen. Auch in späteren Jahren fuhr ich immer gern mit dem Rad, oftmals am Main entlang, setzte mich ab und zu mal auf eine Bank und ließ den lieben Gott einen guten Mann sein. Das war für mich Entspannung pur. Ein besonderes oder gar teures Rad hatte ich niemals und trotzdem erfüllte mein Drahtesel seinen Dienst, nämlich mir Spaß und mich sicher von A nach B zu bringen.

Aus Spaß wurde Kult

Fahrradfahren war noch kein Kult damals und völlig unaufgeregt drehte ich meine Runden. Oftmals fuhr ich mit Ursula, meiner damaligen Freundin, durch den endlosen Teutoburger Wald, das war in meiner Bielefelder Zeit. Und ja, Bielefeld gibt es tatsächlich. Ich kann es beweisen, denn ich ging dort drei Jahre lang zur Schule. Eine schöne Zeit war das.

Einmal in der Woche fuhr ich mit meinem Fahrrädchen zur städtischen Bücherei, wo ich mir Stapelweise Bücher auslieh, denn ich war schon in jungen Jahren eine richtige Leseratte und verschlang die Bücher wie eine Süchtige. Ich las und las und las, wenn ich nicht gerade Fahrrad fuhr oder Hausaufgaben machen musste.

Als ich älter wurde bekam ich ein Kettler Alurad mit fünf Gängen geschenkt und das war für mich wirklich das Höchste der Gefühle. Ich war stolz wie Bolle, als ich mit meinem silbernen, zweirädrigen Alublitz zum ersten Mal zur Schule fuhr und es stolz meiner Freundin Ursula zeigte. Da sie aus armem Hause und kinderreicher Familie kam, staunte sie nicht schlecht. Sie selbst fuhr auf einem ausrangierten, klapprigen und klappernden Fahrrad, das zuvor schon ihrer großen Schwester Roswitha gehörte und das danach ganz sicher auch ihrer kleinen Schwester gute Dienste würde leisten müssen.

Wenn ich daran denke, mit was für lächerlichen Schlösschen ich meine Fahrräder früher abschloss und niemals wurde mir ein Fahrrad geklaut oder demoliert. Heutzutage muss man seinen Drahtesel sichern wie Fort Knox mit schweineteuren und bleischweren Ketten- oder Stangenschlössern und trotzdem werden diese auch noch am helllichten Tage geknackt und geklaut. Meine Mutter in Berlin kann ein Lied davon singen. Mittlerweile stellt sie ihr kleines Klapprädchen in die Wohnung. Vor allem auf E-Bikes haben Fahrraddiebe es abgesehen und Experten raten, man solle bei jedem längeren und kürzeren Abstellen des E-Bikes den 9kg federleichten, verdreckten und sperrigen Akku ausbauen und mitnehmen. Ich stelle mir das gerade mal so vor, wie ich dieses unhandliche Monstrum von Akku beim gemütlichen Schlendern oder beim Lebensmitteleinkauf mit mir rumschleppe. Ganz toll! Wer macht das? Was ist nur aus unserer Gesellschaft geworden? Die Fahrräder bzw. das von linksgrün verordnete Fahrradfahren stehen exemplarisch dafür, wie sich unser Leben, unsere Gesellschaft und unsere Zeit verändert haben und zwar zum Schlechten hin!

Neuzeitlicher Kult

Heutzutage hat das Fahrradfahren seine Unschuld verloren. Es ist zu einem neuzeitlichen Kult geworden und hat in vielen Fällen so gar nichts mehr Entspannendes an sich. Seitdem uns die Apologeten der grünen Agenda vorschreiben wollen, wie wir uns fortzubewegen haben und dass das vorzugsweise das Fahrrad zu sein hat, seitdem ist mir die Lust am Radfahren peau a peau vergangen. Ich wollte noch nie das, was man mir aufzwingen wollte. Da bin ich eigen. Erst recht, wenn es die Regierung ist, die sich in mein Leben einmischt und mir Vorschriften machen will, was ich essen darf und was ich in meiner Freizeit tue.

Fahrradstadt Berlin

Berlin, so wie viele andere Städte Deutschlands auch, wird ja gerade zur Fahrradstadt umgebaut und an etlichen Straßen wie der belebten Kantstraße aber auch der Kreuzberger Bergmannstraße sowie der nach der Wende neu aufgebauten und ehemaligen 20er Jahre Flaniermeile Friedrichstraße kann man hautnah miterleben, was es gebracht hat, das böse Auto zu verbannen und aufs Rad zu setzen. Nämlich nichts. Jedenfalls nichts Gutes, wenn man sich die Ödnis und gähnende Leere der Straße ansieht und mit Gewerbetreibenden dort spricht.

Berlin, Kantstraße
Berlin, Fasanen- Ecke Hardenbergstraße

Die neuen Fahrradwege sind zu Fahrradautobahnen ausgebaut geworden, auf denen rücksichtslose Radraser in hoher Geschwindigkeit über die Fahrradspur spurten und jeden Fußgänger, der die Straße nicht bei drei überquert hat, gnadenlos umnieten.

Berlin, Friedrichstraße

Ich habe es selbst erlebt in Berlin. Wehe man wagt es, als Fußgänger an der Ampel auf dem Radweg zu stehen. Da erntet man wüste Beschimpfungen von aggressiven Asphaltrowdys, die glauben, ihnen gehöre die Welt. Das was jene Großstadtwüstlinge gerne den ihnen verhassten Autofahrern vorwerfen, nämlich rücksichtslos zu sein, das sind sie selbst! Und habt Ihr mal deren verbissene Gesichtszüge angesehen? Da ist kein Vergnügen zu sehen in ihren Gesichtern, keine Entspannung, kein Spaß, keine Freude. Da ist nur noch eisige Verbissenheit und der Rausch der Geschwindigkeit, der die Sinne dieser grünen Neuzeitfahrradfanatiker benebelt. Wie von Sinnen mit stur nach vorne gerichtetem, starrem Blick rasen sie mit ihren superschnellen (E-)Bikes über einstmals gemütliche Flaniermeilen, die vom linksgrünen Berliner Senat jetzt zu ausgewiesenen Radrennstrecken verunstaltet wurden.

Berlin, Friedrichstraße Galerie Lafayette

Die fußgehenden Passanten kommen sich auf den schmalen Randstreifen vor wie die Zuschauer der Tour de France und von entspanntem Flanieren kann hier keine Rede mehr sein. Die Friedrichtstraße stirbt gerade, wie man auf obigem Bild gut sehen kann, einen trostlosen Tod. Viele Geschäfte sind abgewandert, seitdem die Autos verbannt wurden. Von Gemütlichkeit oder geschäftlichem Treiben ist dort keine Spur mehr. Bei meinem letzten Berlinbesuch dachte ich, dass ich für lange Zeit wohl zum letzten Mal in dieser jetzt deprimierenden Destination rund um die Friedrichstraße gewesen sein werde und ich bin wirklich mal gespannt, wie lange die Galerie Lafayette dort noch einsam die Stellung hält.

Berlin, Friedrichstraße
Berlin, Fasanenstraße Ecke Ku`damm

Schön war die Zeit

Tja, schön war die Zeit, als Radfahren noch Vergnügen bedeutete und man das Fahrradfahren nicht von der Regierung vorgeschrieben bekam.

Wenn das Social-Credit-System eingeführt werden sollte, und danach sieht es aus, dann wird es so sein, dass wir sogar bestraft werden, wenn wir das Fahrrad nicht benutzen bzw. wenn wir das Auto nutzen. Dann gibt es Punkteabzug und unser Score verringert sich. Damit können wir dann bestimmte Dinge nicht mehr tun oder werden benachteiligt oder ausgeschlossen vom öffentlichen Leben. Dahin geht die Reise. Ich habe ja viel darüber geschrieben.

Der grüne Zeitgeist ist wirklich der Totengräber unseres Lebens und unserer Gesellschaft. Er macht aus einem einstmals harmlosen Vergnügen einen Zwang und aus einstmals gemütlichen Freizeitradfahrern verbissene gewissensreine Radfahrrowdys.

Herzlichen Dank an meine liebe Mama, die in meinem Auftrag quer durch Berlin mit ihrem Fahrrädchen geradelt ist, um mir die obigen tollen Fotos zu knipsen 🙂

6 Kommentare zu „Über Asphaltrowdys und rücksichtslose Radraser – oder: Warum das Fahrradfahren seine Unschuld verloren hat

  1. Wie man an der Landtagswahl im Saarland gesehen hat und an denen in NRW und NDS sehen wird:

    Benzin/Diesel und Heizen/Strom sind offenbar noch nicht teuer genug, denn die „Wählend:innen“ fallen ganz brav auf die nicht enden wollenden Lügen der „Politiker:innen“-Bagage rein. Da kann man wohl nichts machen, auch Einstein verzweifelte an der unendlichen menschlichen Dummheit.

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  2. Glücklicherweise lebe ich seit vielen Jahren ausserhalb einer Metropole und genieße Flurbereinigungswege, Nebenstrassen und natürlich Wald-und Fahrradwege, inzwischen bin auch mit einem E-Bike unterwegs und schalte gerne auch mal den Accu ab wenn die Strecke so gut wie gerade verläuft.

    Somit habe ich hier keine Erfahrung wie sich das Fahrradleben in Städten verändert hat, die Bilder jedoch zeigen es aber sehr deutlich.

    Würde mir sicherlich auch keinen Spass mache, dort mit dem Rad unterwegs zu sein.

    Wobei Fahrradschnellwege schon vorteilhaft sind.

    So bin ich jahrelang, 3 x die Woche von Schwabach nach Fürth mit dem Rad zur Arbeit gefahren. Konnte dabei den Weg entlang des Main-Donau-Kanals nutzen. Da kann man natürlich flott fahren, ist schnell am Ziel, bleibt fit und hat auch noch Spass dabei.

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  3. Merkwürdige Schlussfolgerung in dem Artikel. Die Bilder zeigen Straßenbau mit Ausmaßen von einem Apshalt, in seiner lebensfeindlichen Nacktheit, der noch aus der autogerechten Gestaltung der Innenstadt herrührt. Das dem Fahrrad anzulasten, erschließt sich mir nicht. Dass da andere Gestaltungen wünschenswert wären, ist angesichts der Fotos unstritttig, aber wahrscheinlich aufwändig und teuer. Von der fossilen Autoinfrastruktur weg zu kommen ist nicht einfach, aber machbar, und nötig, denn:
    Dass wir vor zwei Tagen unseren Earthovershoot Day in Deutschland hatten, dass heißt bereits jetzt die natürlichen Erdressourcen aufgebraucht haben, zeigt, wir müssen etwas ändern. Dafür ist das Fahrrad hervorragend geeignet!
    Man schleppt nicht 2 Tonnen Lehrgewicht mit sich rum, um 5 kg Einkäufe zu transportieren, oder das 10 kg schwere Kind zum Kindergarten zu bringen.
    Ich habe auch seit frühester Kindheit das Fahrrad lieben gelernt, und es immer als mein Hauptverkehrsmittel genutzt. Das ist nicht bedrohlich sondern motivierend gemeint.

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  4. Ich als Alltagsradfahrer bin auch nicht so froh über den Radwegwahn. Insgesamt führen Radwege zu mehr Unfällen und nicht zu weniger schweren. Und schneller ist man auf ihnen auch nicht unbedingt, wegen den vielen Störungen auf die man reagieren muss. Besser wäre Mischverkehr (mit Autos, nicht Fußgängern!) bei Tempo 30. Ich hab 30 Jahre lang versucht, dass den Grünen zu erklären, aber keine Chance.

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  5. Tamara, exzellent, wie Du an einem ‚kleinen Beispiel‘ uns die große Erzählung bereit hälst.

    Diese verbiesterte, kleinkarierte Gutmenschen Art, die unser Land von innen her ganz ausgehöhlt und aufgefressen hat. Und jetzt, nachdem auch die letzte dünne Schale zerfällt und zerfleddert, uns endlich ihre wahre Fratze entgegenstreckt. Eine Fratze aus Dummheit, Arroganz, Hybris und Hass. Da liegt es nun danierder, das Land der Dichter und Denker, und wartet anscheinend nur noch auf … Erlöser oder Aasgeier?

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