Zuckerarm leben – ein Selbstversuch, um von der Droge Zucker loszukommen

Seit ungefähr zehn Tagen mache ich einen Zucker-Entzug und verzichte komplett auf alles, was süß ist und worin raffinierter Zucker enthalten ist. Wie es mir damit geht und wie sich ein Leben ohne Zucker anfühlt, möchte ich hier beschreiben.

Warum auf Zucker verzichten?

Schon vor zwei Jahren stellte ich mich der Herausforderung, komplett auf Zucker zu verzichten, um herauszufinden, wie abhängig ich davon eigentlich bin. Angeregt durch einen Freund, bei dem ein hoher Zuckerwert im Blut festgestellt wurde und dessen Werte schon nah an einer Diabetes lagen und er daher einen kompletten Zuckerentzug begann, wollte ich auch mal austesten, wie sich das anfühlt, so ganz auf Zucker zu verzichten. Wobei: So ganz ohne Zucker zu leben ist kaum möglich, da in fast jedem (vor allem verarbeiteten) Lebensmittel Zucker enthalten ist. Daher macht eine Minimierung unbedingt Sinn. Damals hielt ich ca. drei Monate durch und aß auch danach lange nicht mehr so viel Süßes wie zuvor.

Meine persönliche Herausforderung

Nun beschloss ich also vor zehn Tagen spontan, wieder mal einen Zucker-Entzug zu machen. Tags zuvor kaufte ich mir sogar noch Schokolade, die seither unberührt im Kühlschrank liegt. Ich sehe es als eine Art Challenge, um auszutesten, wie abhängig ich von Zucker bin und was passiert, wenn ich es nicht mehr verzehre. Die einen erklimmen hohe Gipfel oder machen einen Marathonlauf und ich verzichte eben auf Zucker.

Süßes Gift

Ja, Zucker macht abhängig. Und ich glaube mittlerweile, dass das auch so gewollt ist bzw. bewusst in Kauf genommen wird. Die Zucker-Lobby macht hier ganze Arbeit! So gut wie alles, was wir verzehren ist mit Zucker angereichert. Und daher sind wir total auf Zucker gepolt. Wir lechzen regelrecht nach Süßem, selbst wenn wir gar nicht bewusst nur Süßigkeiten essen. Zucker ist ja auch ein Geschmacksverstärker und sogar in Senf oder Sauerkraut ist Zucker enthalten, ebenso in Gewürzmischungen und natürlich in Fertiggerichten und Soßen. In der Bio-Gewürzmischung „Wilde Hilde“ von Herbaria stecken von 100g Doseninhalt ganze 20g Zucker. Man glaubt man isst gesunde Kräuter, dabei schaufelt man sich haufenweise Zucker und auch Salz rein. Seht Euch mal die Inhaltsangaben der Lebensmittel an. Fast überall ist Zucker enthalten und das nicht zu knapp. Selbst in vielen sauren Gewürzgurkenzubereitungen findet sich Zucker, ebenso in Ketchup und in Paprikachips. Und auch in so gut wie allen ein- und angemachten Salaten oder Gemüsekonserven ist massig Zucker enthalten.

Hier in Tschechien ist es ganz schlimm. Sogar eigentlich deftige Speisen oder Soßen sind süß. Der Gurkensalat hier schmeckt wie eine süße Gurkenkaltschale. Ebenso die Brotaufstriche, die nicht nur süß sondern auch noch fettig sind. Hinzu kommen hier der exorbitant hohe Weißbrotkonsum und auch die Brot-Knödel, so wie die verführerischen Kekse und Waffeln, Eis und Knabbergebäck. In Tschechien zuckerfreie Lebensmittel zu bekommen ist so gut wie unmöglich. Ich staune immer, wenn ich junge Menschen in der Stadt sehe, die sich die süßen Softgetränke wie Cola und Limo literweise reinziehen. Kein Wunder, dass viele Tschechen sehr dick sind.

Manche halten Zucker für eines der schädlichsten Lebensmittel überhaupt, denn Zucker fördert Entzündungen im Körper und ist zudem ein absoluter Energiedieb.

Nun, ich wollte wissen, was es mit mir macht und schreibe hier nur von meiner eigenen Erfahrung mit der Zucker-Detox. Den Rest könnt Ihr woanders besser nachlesen. Es gibt sehr viel Literatur darüber und auch im Netz erfahrt Ihr viel über Zucker und seine schädlichen Folgen. Wer sucht, der findet.

Wie ist es zu Beginn?

Nun, erst mal war es für mich gar nicht so schwer, da ich sowieso nicht so sehr süß gegessen habe. Meinen Kaffee trinke ich schon seit über 30 Jahren ohne Zucker und Marmelade am Morgen aß ich äußerst selten. Zum Frühstück esse ich einen Naturjoghurt und schneide mir ein wenig Obst hinein. Dann gibt es Vollkorntoast oder Brot/Brötchen mit Butter und gerne mal einer Scheibe Wurst oder Käse. Mit dem Obst am Morgen habe ich quasi meinen Zucker, also den, den ich mir genehmige, intus. Und mehr soll es dann nicht werden.

Dann gegen 10.30h kommt/kam die erste Heißhungerattacke. Diese stille ich, indem ich ein paar Cashewkerne oder Walnüsse knabbere. Die sind lecker und auch sehr gesund. Tagsüber trinke ich ausschließlich Wasser oder ungesüßten Tee. Das habe ich aber auch schon früher gemacht. Also auch hier keine nennenswerte Umstellung. Dann gibt es selbst gekochtes Mittagessen, das komplett zuckerfrei ist. Wenn man selbst kocht, kann man das gut steuern. Schwierig wurde es dann zum Nachmittags-Kaffee. Früher aß ich dann gerne mal Kuchen, Kekse, Waffeln, Schokolade etc. Das fällt nun weg. Zu meinem Caro-Kaffee, natürlich auch ungesüßt (aber mit Milch) knabbere ich nun wieder ein paar Cashewkerne. Manchmal genehmige ich mir einen Apfel, der natürlich auch süß ist aber eben auch gesund durch die Vitamine. Übrigens ist der Furchtzucker kein bisschen besser oder gesünder als der raffinierte Weißzucker – eher im Gegenteil. Also zu viel süßes Obst ist auch nicht gut. Dann kommt noch das Abendbrot, an dem es meistens Salat gibt, das Dressing einfach nur mit Essig/Öl, Salz, Pfeffer und Kräutern gewürzt und dazu entweder Brot mit Aufstrich oder irgendwas Selbstgemachtes eben. Nach dem Abendessen, das ich meist so gegen 17.00 Uhr einnehme, putze ich die Zähne. Damit laufe ich weniger Gefahr, später vor dem Fernseher wieder irgendetwas essen zu wollen. Und damit hat sich die Sache. Der Tag ist gelaufen.

Wie geht es mir ohne Zucker?

In den ersten Tagen so ganz ohne Zucker bekam ich leichtes Kopfweh und war stimmungsmäßig irgendwie genervt und unruhig. Der Körper rebellierte, weil er keinen Zucker mehr bekam. Es stellten sich in den ersten Tagen teilweise heftige Heißhungerattacken ein und ohne Cashewkerne wäre ich verloren gewesen. Das waren schon Entzugserscheinungen. Und genau daran sieht man, wie abhängig man von Zucker ist. Ich trank noch mehr Wasser als sonst und versuchte mich abzulenken. Da ich gerade in der heißen Umzugsvorbereitungs-Endphase bin, ist das recht praktisch, denn es gibt viel zu tun, das mich ablenkt. So gingen die Tage ins Land.

Energiedieb Zucker

Die gute Nachricht: Der Heißhunger auf Zucker verschwindet recht schnell! Beim letzten Mal merkte ich nach ca. 14 Tagen, dass die Zuckergelüste so gut wie verschwunden waren. Die Haut wird merklich besser, man sieht frischer aus und fühlt sich insgesamt wohler in seiner Haut. Und vor allem: Plötzlich fühlt man sich fit, leistungsfähig und voller Energie. Zucker schenkt zwar kurzzeitig Energie, die aber recht schnell wieder abnimmt. Längerfristig ist Zucker jedoch ein Energieräuber.

Natürlich nimmt man auch ab. Abzunehmen war aber nicht meine Motivation, weil das mancher vielleicht glauben mag. Insgesamt fühle ich mich freier und leichter ohne Zucker und was sehr interessant ist: Normales Mineral- oder Leitungswasser schmeckt plötzlich süßlich. Und auch die eigentlich neutral schmeckenden Cashewkerne schmecken ebenfalls plötzlich süß. Ich merke, wie mein Geschmackssinn sich langsam verändert. Ich schmecke nun Zucker in eigentlich nicht zuckerhaltigen Lebensmitteln heraus. Milch schmeckt noch süßer und auch manche Brotsorten schmecken plötzlich fast wie Kuchen. Daran merkt man, wie unsere Geschmacksknospen durch den Zucker verdorben wurden.

Das Beste ist: Man fühlt sich frei. Also nicht mehr abhängig von der Droge Zucker. Wenn ich an die kilometerlangen Regale mit Süßigkeiten in den Supermärkten denke, die uns durch ihre ansprechende, bunte Verpackung so verlockend zurufen „Nimm mich mit“ und wie lange ich manchmal dort stand und überlegte, was ich mitnehme. Und irgendwas war immer dabei. Der Süßigkeitenschrank zuhause war übervoll. Das alles kostet ja zudem auch Geld, das man prima sparen oder für etwas anderes ausgeben kann.

Süßigkeiten sind ja relativ günstig, da es Zucker in rauen Mengen gibt und die Industrie uns daher die minderwertigsten Zuckerwaren, gespickt mit künstlichen Geschmacks- und Zusatzstoffen sowie Farbstoffen, schön verpackt und ansprechend zubereitet auf dem goldenen Tablett offerieren. Sie verdienen sich damit eine goldene Nase und wir schaufeln uns das Zeug rein auf Teufel komm raus. Unser ganzes Leben ist auf Zucker gepolt und die meisten Menschen können sich ein Leben ohne Zucker nicht vorstellen. Mir ging es anfangs auch so.

Und was ist an Weihnachten?

Tja, Weihnachten und auch Ostern ist dann nochmal extra schwierig muss ich zugeben. Zu gern aß ich Lebkuchen und Weihnachtsplätzchen. Und auch hier gibt die Industrie wieder alles. Letzte Woche war ich in einem Supermarkt in Deutschland und bekam die volle Zuckerdröhnung an Lebkuchen, Spekulatius und den leckersten Schoko-Nikoläusen und Pralinen ab. Puh, das war erst mal herausfordernd, da einfach vorüber zu gehen ohne einen gierigen Blick nach den Weihnachtsleckereien zu erhaschen. Aber es ging. Disziplin ist alles. Und dass es leicht wird, hat einem keiner versprochen. Aber – wo ein Wille ist, da ist auch ein Weg.

Alternativen zu Zucker

Manch einer wird nach Zucker-Alternativen wie Xylit, Stevia oder Agavendicksaft greifen. Aber das kam für mich nie in Frage. Denn, wenn man den Gaumen vom Zucker entwöhnen will und ihn dann aber doch weiter durch künstliche Süße reizt, wird das nie etwas mit dem zuckerfreien Leben. Die Lust auf Zucker bleibt bestehen. Zudem ist die künstliche Süße auch ungesund, nur anders eben.

Aber es gibt tatsächlich Alternativen. Man kann zum Beispiel mit überreifen Bananen Kuchen, Plätzchen und Waffeln backen. Mit nur drei Zutaten, nämlich einer Banane, Dinkelmehl und Butter kann man leckere Plätzchen backen. Das habe ich irgendwo gelesen und werde es, sobald ich in Deutschland bin und ein wenig Ruhe in meinem Leben eingekehrt ist mal ausprobieren.

Natürlich ist Zucker auch ein großer Bestandteil des gesellschaftlichen Lebens. Man geht zusammen Eis essen oder wird zu Kaffee und Kuchen eingeladen. Arbeitskollegen bringen selbstgebackene Plätzchen mit oder Pralinen, wenn jemand zu Besuch kommt. Das ist dann ohne Frage nicht so einfach, hier standhaft zu bleiben. Man will die anderen nicht vor den Kopf stoßen oder unhöflich erscheinen. Aber wenn man die Menschen (am besten vorher) darüber aufklärt, dass man zuckerfrei leben möchte, werden sie es wohl oder übel einsehen müssen. Anstatt süßer Pralinen kann man ja auch ein paar Blumen oder Kräuter mitbringen, oder ein Buch. Es muss nicht immer Zucker sein. Übrigens konnte der Freund nur durch seine fortan zuckerfreie Ernährung seinen Blutzucker so weit runter drücken, dass er sich wieder im normalen Bereich eingependelt hat.

3 Kommentare zu „Zuckerarm leben – ein Selbstversuch, um von der Droge Zucker loszukommen

  1. Liebe Tamara

    Ja ich habe auch mal 6 Monate ohne Zucker geschafft und war in dieser Zeit Energiegeladen wie nie!!! Ich muss aber dazu sagen, dass ich ein Zuckerjunkie war!!! Marmelade? GERNE!!!! Kekse und Kuchen und Schokolade? SUPER gerne, her damit! Und auch wenns geht: täglich! Ich ging nur nicht auseinander weil ich mir die Kalorien mit viel Sport wieder abtrainierte! Irgendwann waren wir dann eigeladen und ich aß halt dann doch Kuchen- er sah aber auch gut aus!!!- und dann war ich wieder drauf!
    Es fing dann wieder an mit meinem täglichen Zuckerkonsum und ich werde von zuviel Zucker sehr nervös….sodass ich nach einiger Zeit wieder reduzierte:
    Nun esse ich seit 5 Tagen wieder keinen Zucker- außer zum Frühstück. Das ist schon mal eine Reduktion von 80%! Ich glaube, wenn ich insgesamt wenig Zucker esse( wir kochen auch nur selbst) dann komme ich damit besser klar!
    Wir leben in Südamerika und auch hier ist ÜBERALL Zucker drin, wenn man nicht aufpasst! Neulich kauften wir ein sehr lecker aussehendes Brötchen mit Schinken und Käse und beim ersten Bissen— die Ernüchterung- das Brötchen war süß!!! Zugegeben, es schmeckte leider gut, aber um vom Zucker runterzukommen ist so ein Brötchen nicht sehr förderlich 😉
    Auf jeden Fall sind so Selbsttests manchmal klasse, um sich mal zu testen. Ich wünsch dir weiterhin viel Erfolg in deinem Zuckerfreien Alltag und ganz ehrlich: ich bewundere JEDEN der nur mal ein kleines Stückchen Schokolade zum Käffchen lutschen kann und dann ist aber auch wieder gut- hach….DAS würde ich auch gerne können- ich arbeite dran 🙂

    Liebe Grüße
    Suna

    Gefällt 2 Personen

  2. Und hier kann man wieder einmal sehen, wie wichtig den Regierenden die Gesundheit des Volks ist. Es wäre ein Leichtes, eine Verordnung herauszubringen, dass alle Lebensmittelgeschäfte einen Bereich mit zuckerfreien oder zumindest -armen Produkten anbieten müssen, damit man sich nicht massenweise durch Kleinstgedrucktes lesen muss. In den USA gibt es das wohl, wieso nicht in Deutschland?

    Gefällt 1 Person

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