Reisen wie zu Großvaters Zeiten oder: Das Revival der guten alten Thermoskanne!

Durch Corona hat sich vieles in unserem Leben zwangsläufig verändert. Fast nichts ist mehr so, wie es in der Zeit vor Corona war. Im Jahr 2 nach Corona ist es nicht mehr so leicht möglich, spontan eine Reise zu unternehmen oder einen Ausflug zu machen. Das ist nun mühsam geworden und muss bis ins kleinste Detail geplant werden.

Nun ist also der Frühling endlich erwacht und mit ihm meine Lebensgeister. Passenderweise ist es seit zwei Wochen wieder möglich, aus Tschechien kommend die Grenze nach Deutschland zu passieren und sich ungestraft 12 Stunden in Deutschland aufzuhalten. Wahnsinn, oder? Ganze 12 Stunden darf man rübermachen. Und das auch noch ohne Impf- oder Testnachweise oder Einreiseanmeldung. Da ich dem Frieden nicht traue und man nicht wissen kann, wie lange dies möglich sein wird, falls die Inzidenz in Tschechien wieder steigen sollte, nutze ich das natürlich schamlos aus und mache Ausflüge in Gegenden, in denen ich noch niemals zuvor war.

Besuch in Zittau

Also führte uns unser erster Ausflug in das von uns aus nahe gelegene Örtchen Zittau. Ein Katzensprung eigentlich, denn in 50 Minuten Fahrtzeit durch eine liebliche Landschaft waren wir bereits in dem schmucken und ein wenig verschlafenen Städtchen angekommen. Besser gesagt steuerten wir erst einmal das REWE-Center an. Dort war es für mich ein Erlebnis nach so vielen Monaten mal wieder in einem Deutschen Laden deutsche und mir in langen Jahren lieb gewordene Lebensmittel einzukaufen. Ideal war auch, dass man dort das WC nutzen konnte, denn irgendwo einkehren, etwas essen oder trinken gehen und das mit einem Besuch des stillen Örtchens verbinden, ist ja nicht mehr möglich in diesen Coronazeiten. Tja, und was macht man da? Ganz einfach, man beginnt, sich mit der Situation zu arrangieren und das Beste aus der schlechten Sache zu machen. Denn nur zuhause hocken ist ja auch keine Option.

Not macht erfinderisch

Nach erfolgreichem und entspanntem Einkauf, hier seien vor allem die leckeren Thüringer Rostbratwürste, meinen kalifornischen Lieblingsmerlot, den fantastischen Bautz’ner Senf-Brotaufstrich sowie ein Vollkornbrot genannt, ging es weiter in Richtung Innenstadt. Schnell fanden wir uns in dem kleinen Städtchen zurecht und auch das Parken war kein Problem. Im Städtchen selbst war es seltsam ruhig und ausgestorben. Es waren kaum Menschen unterwegs und es gab wahnsinnig viel Laden-Leerstand. So viel, dass es weh tat. Ich denke es sah schon vor Corona nicht rosig aus, denn das Innenstadtsterben von seiner schrecklichsten Seite ist in vielen deutschen Städten schon seit Jahren zu beobachten und bekommt jetzt durch die Coronamaßnahmen der Regierung den endgültigen Todesstoß. Bei ein paar wenigen Läden, an denen wir vorbeischlenderten, standen die Türen weit offen und am Eingang auf einem Schild stand „Nur für Abholung“. Innen war gähnende Leere und die Verkäuferinnen lugten desillusioniert drein und fragten sich wohl, wie lange sie das noch überleben werden.

Wir kauften uns eine Kleinigkeit zum Essen bei einem Bäcker, setzten uns auf eine Bank auf den Marktplatz und aßen dort gemütlich unser viel zu trockenes Croissant. Etwas zum Trinken hatten wir selbstverständlich auch dabei, ebenso wie eine wärmende Sitzunterlage, bei diesen kühlen Temperaturen sehr zu empfehlen.

Besuch in Prag – Es muss nicht immer Kaviar sein

Einigermaßen erschreckend war unser Besuch in der goldenen Stadt Prag, die von uns aus in nur 1,5 Stunden zu erreichen ist. Unser letzter Besuch liegt nun schon fast 8 Monate zurück und seitdem ist aus einer touristisch total überfluteten Stadt eine ausgestorbene geworden. Es war vor acht Monaten schon nicht mehr so, wie es davor war. Aber doch waren da noch Touristen unterwegs und Läden sowie Cafés und Restaurants geöffnet. Das war jetzt nicht mehr der Fall. Wie Wunden klafften die geschlossenen und verbarrikadierten Läden und Restaurants in den einst pulsierenden Altstadtgässchen an und machten dem Vorbeischlendernden schmerzlich bewusst, dass hier nichts mehr so ist, wie es einmal war. Und vielleicht auch nie mehr sein wird. Prag lebte von den Touristen und die Touristen lebten von dieser einstmals schmucken und quirligen Stadt. Auch auf der Karlsbrücke waren keinerlei Straßenkünstler oder Musiker mehr zu sehen. Die gehören aber ebenso dazu wie die Künstler auf Montmartre und am Seine-Ufer in Paris. Letztes Jahr hatte ich mich noch von einem Künstler auf der Karlsbrücke zeichnen lassen. Hier mein Artikel über einen unvergesslichen Besuch in Prag. Ich frage mich, was ist aus all den Künstlern geworden, die von den Touristen lebten? Wovon leben sie jetzt? Leben sie überhaupt noch? All das ging mir durch den Kopf, als wir über die Brücke in den wunderhübschen an der Moldau gelegenen Stadtteil „Mala Strana“ gingen und auch dort so gut wie keine Geschäfte geöffnet hatten. Essengehen war auch hier natürlich nicht möglich, obwohl die Außengastronomie geöffnet hatte. Da wir aber weder geimpft sind noch getestet, mussten wir auch hier wieder improvisieren. Ein Restaurant verkaufte an einem Fenster Hot Dogs, die wir dann bei Kälte, Wind und leichtem Regen schnell im Stehen verspeisten, nicht ohne uns mit der Majo-Ketchup-Tunke an Hand und Ärmeln zu beschmieren. Zu allem Übel wehte uns ein übel mitspielender Windstoß unsere Servietten fort. Zum Glück hatten wir Taschentücher dabei, ebenso wie Kaffee, den wir uns in einer Thermoskanne mit Becher von zuhause mitnahmen und diesen „gemütlich“ auf dem Parkplatz im warmen und trockenen Auto genossen. Später dann holten wir uns noch einen leckeren Spinat-Feta Crepe, den wir auf einer Bank in der Nähe des Wenzelsplatzes in der Sonne verspeisten. Das hatte schon etwas Gemütliches auch. Früher sind meine Eltern im Urlaub auch nicht immer Essen gegangen und manches Mal gab es Mittags einfach mal nur mal „Huhn auf Stube“. Das war aber freiwillig.

Und genau das ist der Unterschied. Daher möchte ich das hier nicht irgendwie schön reden. Natürlich kann man es sich immer schön machen und ein Restaurantbesuch ist ganz sicher nicht der Garant für einen schönen Ausflug. Aber es wäre eben schön, die Wahl zu haben. Die haben wir aber nicht mehr. Wir müssen uns mit den paar Freiheiten begnügen, die man uns noch zugesteht. Wer weiß, vielleicht werden wir uns in ein paar Jahren sehnsüchtig an die Zeit zurückerinnern, in der es uns noch möglich war, mit dem eigenen Wagen zu verreisen. Zuzutrauen wäre es denen, wenn man sich das Wahlprogramm der Grünen ansieht bzw. auch das der anderen Blockparteien oder noch besser sich die Agenda 2030 der Vereinten Nationen oder Klaus Schwabs Buch „The Great Reset“ zu Gemüte führt. Dann dämmert einem, dass der Genuss des Kaffees aus einer Thermoskanne im Freien auf einer Parkbank noch das Geringste aller Probleme ist.

Trotzdem habe ich die Ausflüge genossen und weil es so schön war, und weil ich dem Frieden nicht traue und damit rechnen muss, dass die Grenzbäume ebenso schnell wieder fallen, wie sie sich geöffnet haben, wird der nächste Ausflug wieder nach Deutschland gehen. Und zwar nach Görlitz. Mal sehen, was mich dort erwartet….

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