Warum in die Ferne schweifen, das Glück, das liegt so nah!

Nun lebe ich seit 10 Monaten in Tschechien und langsam aber sicher, nach so langen, kalten Tagen erwacht der Frühling aus seinem Winterschlaf und mit ihm die Natur, die Tiere und auch die Menschen.

Heute, bei einem wunderschönen, längeren Spaziergang durch eine liebliche Landschaft, die ich direkt vor der Haustüre habe, wurde mir wieder bewusst, dass ich viel Grund zur Dankbarkeit habe. Dieses kleine Dörflein mit seinen kleinen, teilweise halb verfallenen Häuschen und den schönen, verwunschenen Gärtchen hat es mir wirklich angetan. Es bezaubert mich durch seine Einfachheit. Dieser Spaziergang heute beruhigte meine geschundene Corona-Seele und erdete mich im wahrsten Sinne des Wortes.

Herrlich, die wärmenden Sonnenstrahlen während des Laufens im Rücken zu spüren und die klare, frische und würzige Landluft einzuatmen und durch den Körper strömen zu lassen. Überall in den Gärten machen sich die Menschen daran, ihre Beete und Felder zu bepflanzen, glückliche Hühner gackern fröhlich vor sich hin. Manchmal kräht von irgendwo ein Hahn. Hunde bellen, Schafe grasen, Kinder spielen ausgelassen in den Gärten und Rasenmähergeräusche, sowie ein grandioses Vogelkonzert begleiten mich auf meinem Rundweg um das kleine Dörflein.

Hochglanzmenschen außen Hui – Innen pfui                                 

Heute, am 8. Mai ist einer der höchsten Feiertage in Tschechien. Es wird an das Ende des 2. Weltkrieges gedacht. Trotzdem sind die meisten Leute emsig in ihren Gärten beschäftigt und sogar der kleine Vietnamese, der einen Tante-Emma-Laden hier im Dorf betreibt, hat heute geöffnet. So genau nimmt man das hier alles nicht. Und das ist angenehm erfrischend. Anders als in Deutschland sind die Leute hier nicht so verbiestert und Corona-Ideologisiert. Ich liebe dieses einfache Landleben und die einfachen Menschen hier im Gegensatz zum Hochglanzleben in Deutschland und den Hochglanz-Gutmenschen, die gerade jetzt in der Coronazeit zeigen, wes Geistes Kind sie sind. Außen hui – Innen pfui.

Leben und leben lassen

Hier spioniert oder denunziert keiner den anderen. Leben und leben lassen heißt hier die Devise. Wie man aussieht oder was man anhat ist hier überhaupt nicht von Belang. Auch das Tragen des Mundschutzes wird hier nicht so genau genommen. Die Menschen haben ein gutes Gespür für das was wirklich wichtig ist. Nachbarschaftshilfe wird hier großgeschrieben. Schon mehrmals war ein Nachbar, der Elektriker ist, hier und hat bei einem Stromausfall nach der Ursache gesucht. Und auch gefunden. Einmal kam er am Heiligen Abend gegen 17 Uhr. Seine ganze Familie war zu Besuch und trotzdem suchte er bei uns fast 2 Stunden lang nach der Ursache und behob sie auch gleich. Bezahlen lassen wollte er sich das nicht. Ebenso der Dachdecker ein paar Häuser weiter. Als sich aufgrund eines Sturmes ein Dachziegel komplett verschob, kam er nach Feierabend mit seiner großen Leiter angelaufen und stieg uns aufs Dach. Auch er verbat es sich, sich dafür bezahlen zu lassen.

Die Menschen sind so bescheiden hier und die halb verfallenen Häuschen, in denen sie teilweise leben, sind doch mit solch liebevollen Details geschmückt, dass man einfach überwältigt ist von dieser bescheidenen Lieblichkeit und herzerwärmenden Einfachheit. Und wie wunderschön verwunschen die Gärten sind. Kleine Gartenparadiese sind das, von denen ich meinen Blick kaum lösen mag. Oft bleibe ich stehen und bestaune diese Gartenkleinode, nicht ohne mir die ein oder andere Anregung für den eigenen Garten zu holen.

Perfekt ist hier gar nichts und gerade darin liegt der Reiz. Es ist so angenehm entspannend von wirklich freien Menschen umgeben zu sein. Menschen, die mich in Ruhe lassen und sich nicht darum scheren, ob ich eine Maske aufhabe. Menschen, die nur mit sich selbst und nicht mit anderen beschäftigt sind. Seitdem ich hier lebe, trage ich keine Uhr mehr. Wenn ich wissen will, was es geschlagen hat, höre ich einfach dem Bimmeln der Kirchenglocken der kleinen Kirche hier im Dorf zu. Ohrringe trage ich nur noch, da ich nicht möchte, dass mir die Ohrlöcher zuwachsen.

Hoffnung

Während ich diese Zeilen schreibe, sitze ich wieder an meinem Stammplatz am Fenster und sehe auf das saftige Grün des Rasens mit einem prächtigen Gänseblümchenmeer. Am Apfelbaum sind schon erste Knospen zu sehen und auch der rosa Flieder wird hoffentlich nicht mehr allzulange auf sich warten lassen und seinen unwiderstehlichen Duft im Garten verströmen und durch seine hübschen Blüten zeigen, dass er der Schönste im ganzen Garten ist. Auf dem Gartenzaun tanzen und hüpfen zwei verliebte Amseln in ihr Amselglück und eigentlich fehlt jetzt nur noch Moritz, der dreifarbige Kater, der uns schon seit Wochen seine Aufwartung macht, indem er uns schon ein paarmal eine tote Maus vor die Haustür und auf die Terrasse gelegt hat. Jeden Tag schaut er ein oder zweimal bei uns vorbei und trottet dann gemächlich quer durch den Garten, um auf der Hinterseite durch eine Lücke im Zaun zu entschwinden. Auch unser Untermieter, der kleine Krtek zeigt uns durch immer neue Haufen, die er emsig aufwirft, dass er noch da ist und auch gedenkt dazubleiben. So neigt sich nun dieser Tag so langsam dem Ende zu. Die goldenen Sonnenstrahlen tauchen den Garten in sanftes Licht bis die Sonne sich hinter dem Hügel zur Ruhe begibt, um morgen früh in neuem Glanz dem neuen Tag sein neues Leben einzuhauchen.

Das soll unsere Hoffnung sein. Die Hoffnung auf einen neuen Tag, der alle Chancen in sich birgt, der beste Tag unseres Lebens zu werden.

In einem Bauernhaus wohnt oft mehr Friede als in einem Palast.

Deutsches Sprichwort

Hier das liebevoll von einem Freund gestaltete Flugblatt des Artikels zum Herunterladen und Verteilen an Freunde oder Menschen, die gerade ein wenig Ermutigung brauchen. Oder auch einfach nur für Euch selbst. Danke an Peter! 🙂

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