Gegen Geisteskrankheit gibt es keine Impfung oder: Sind wir alle Spinner, Covidioten oder Rassisten?

Gastbeitrag von Chris K., Physiker und Autor

Tagtäglich finden wir sowohl Mikroprobleme, die uns stören, aber im Grunde keine echten Probleme darstellen, als auch echte Probleme. Haben wir diese Probleme erst einmal gefunden oder erkannt, suchen wir nach Lösungen für sie. Viele der vorgeschlagenen Lösungswege und der entsprechenden Probleme erscheinen vielen von uns unlogisch. Gleichzeitig erscheinen sie vielen von uns logisch. Was stimmt nun? Wie lässt sich ein Grundkonsens an Logik für dieses Problem finden, ohne dass man die unlogischsten Gehirnverrenkungen vollführen muss, um einem Verständnis der Probleme und Lösungswege näherzukommen?

Vielleicht ist die Antwort auf diese Frage in der Tatsache zu finden, dass man hier mit simpler Logik nicht weiterkommt. Jemand beschwert sich zum Beispiel darüber, er sei rassistisch beleidigt worden und viele fragen sich, was an der vermeintlichen Beleidigung rassistisch gewesen sein soll. Eine mögliche Erklärung für diesen Widerspruch findet man vielleicht darin, dass wir alle im Grunde rassistisch veranlagt sind, eine angeborene Nähe zu der Umgebung und zu den Menschen empfinden, mit denen wir aufwachsen, und eine gewisse Angst, Zurückhaltung oder Respekt gegenüber dem uns Unbekannten zeigen – auch unabhängig von der Hautfarbe.

Sind wir denn alle Spinner?

Politiker bezeichnen Menschen, die für ihre Freiheiten und Grundrechte demonstrieren, als Spinner oder Covidioten. Umgekehrt sehen die Politiker sich im Recht, werden aber als die wahren Idioten wahrgenommen. Vielleicht liegt auch hier die Lösung des Problems darin, dass wir uns alle  sowohl als Spinner oder Covidioten als auch als mutig, schlau und weise wahrnehmen sollten. Einerseits hat jeder Mensch Macken. Andererseits hat jeder von uns das Potential, einen wichtigen Beitrag zu Verbesserungen zu leisten, egal bei welchem Thema.

Seien wir stolz darauf, als Spinner, Covidioten oder „dumm“ bezeichnet zu werden. Dann ist man eben ein Spinner mit Herz, der ehrlich seine Gedanken ausspricht. Worte sind einfach nur Worte. Sie haben nicht unbedingt etwas mit dem wahren Leben zu tun. Sprache ist nicht exakt. Sie kann die Realität niemals in all ihrer Komplexität und mit all ihren Fehlern und Widersprüchen abbilden. Sprache wird die Realität oder die Wahrheit immer nur vereinfacht darstellen können. Sie ist nur eine Art Modell der Wirklichkeit. Machen wir uns das immer bewusst.

Niemand von uns ist ohne Fehler. Wir alle sollten Fehler eingestehen oder verzeihen können. Wenn selbsternannte Faktenchecker mit moralisch erhobenem Zeigefinger, hinter jeder Äußerung eine bewusste Täuschung vermutend, ausschwärmen, um diese Meinungsäußerungen im Namen der Demokratie zu bekämpfen, dann bewirkt das nicht selten das genaue Gegenteil vom behaupteten Ziel. Was sind denn Fakten? Gibt es überhaupt zu einhundert Prozent gesicherte Fakten? Wissen wir nicht immer noch nur eines mit absoluter Sicherheit, nämlich, dass wir im Grunde nichts mit absoluter Sicherheit wissen?

Wenn sich Politiker hinstellen und sagen, etwas sei alternativlos oder „Wir haben alles richtig gemacht“, dann ist das faktisch falsch. Normalerweise bedanke ich mich, wenn mich jemand konstruktiv kritisiert. Ich bedanke mich dafür, dass ich auf einen Fehler hingewiesen wurde, und bemühe mich darum, es beim nächsten Mal besser zu machen. Ich stelle mich nicht hin und beharre darauf, dass ich es nicht besser oder anders machen hätte können. Diese Art der Kommunikation kann man durchaus als geisteskrank bezeichnen. Leider gibt es gegen Geisteskrankheit keine Impfung.

Sei gewarnt, Menschheit!

In diesem Sinne sind diejenigen, die andere Menschen mit moralischer Selbstüberhöhung als Spinner titulieren, nichts anderes als psychopathische Despoten, die unsere Freiheiten mit Verboten einschränken, in dem teils widersinnigen Glauben, es sei das Beste für die Gesellschaft oder sie würden damit die Demokratie schützen. Dessen sind sie sich oft gar nicht bewusst. Die Anmaßung zu glauben, dass man weiß, was für die Menschheit das Beste ist, führt meines Erachtens nach zu den allermeisten gesellschaftlichen Problemen. Die menschliche Selbstüberschätzung bis hin zur Einbildung, alles kontrollieren zu können – von Viren bis zum Klima bis zum Sozialverhalten der gesamten Gesellschaft oder gar bis zur gesamten Natur – wird im schlimmsten Fall zum Untergang unserer vermeintlich aufgeklärten Gesellschaft führen. Die grenzenlose Selbstüberschätzung des Menschen kann dazu führen, dass er auf einem hohen Ross sitzend, umso tiefer fallen wird. Wir können nur hoffen, dass das nicht passiert und uns auf das Schlimmste vorbereiten. Sei gewarnt, Menschheit. Nicht nur ich, sondern unzählige Wissenschaftler, Personen aus der Zivilgesellschaft und viele ungehörte Stimmen aus Politik und Medien haben diese Worte in ähnlicher Art und Weise geäußert. Willst du nicht hören, so wirst du irgendwann fühlen. Doch dann ist es höchstwahrscheinlich zu spät.

P.S.: Unglaublich, dass man sich heutzutage fast dazu genötigt fühlt, darauf hinzuweisen, aber dieser Text beinhaltet nur Gedanken, Ideen, Meinungen, Anregungen zum Nachdenken. Er erhebt nicht den geringsten Anspruch auf Wahrheit oder Richtigkeit.

4 Kommentare zu „Gegen Geisteskrankheit gibt es keine Impfung oder: Sind wir alle Spinner, Covidioten oder Rassisten?

  1. Schöner Gastbeitrag, die ersten drei Absätze gefallen mir. Danach verlier ich manchmal den Faden.
    Worte sind mächtig, dessen können wir uns bewusst sein. Sie können verletzen und trösten. Worte sind auch Zauber, mit denen der Weise sein Wissen auf die Unwissenden überträgt.

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