Tammy on Tour in Berlin – Meine persönlichen Haupt-Stadt-Ansichten

Nach längerer Zeit hat es sich ergeben, dass ich mal wieder für ein paar Tage Berliner Luft schnuppern konnte. Und ja, mancherorts ist Berlin immer noch wirklich dufte. Jedenfalls dort, wo ich mich vorzugsweise aufhielt. Wohlweislich mied ich Orte, die weder tageslicht- noch tammytauglich sind und die mir im wahrsten Sinne des Wortes schon lange stinken.

Brandenburger Tor

Ich hab noch einen Koffer in Berlin…“

„…und wenn ich Sehnsucht hab, dann fahr ich wieder hin“

sang einst Hildegard Knef

Ich habe auch noch einen Koffer bzw. eine Mutter und zwei Tanten in Berlin. Zudem jede Menge Erinnerungen, da ich selbst einmal in Berlin lebte. Das ist aber schon lang her. Da stand noch die Mauer und Berlin war trotz kalten Kriegs eine Insel der Glücklichen. Wenigstens ein wenig.

Berlin ist schon lange nicht mehr das, was es einmal war oder vorgab zu sein. Was zeigt man also einem, der zum ersten Mal in Berlin ist und der noch dazu das ein oder andere (berechtigte) Vorurteil vom Bundeshauptstadtslum Berlin hat? Nun, da ich nicht gleich mit der Tür ins Haus fallen bzw. mit den Schreckensseiten Berlins sämtliche Vorurteile bestätigen wollte, entschloss ich mich, die Hauptstadt erst einmal von ihren schönsten Seiten (die es durchaus gibt!) zu zeigen.

Und los geht’s….

Das ist die Berliner Luft, Luft, Luft… Tammys Tipps für einen Kurztrip nach Berlin

Denke ich an Berlin, dann denke ich an Currywurst. Und denke ich an Currywurst, dann denke ich an „Curry 36“ (Tipp 1). Das ist eine Currywurstbräterei, die zuerst am Mehringdamm in Kreuzberg beheimatet war und die sich mit den Jahren zu einer der Kult-Currywurst-Adressen hochbruzzelte. Mittlerweile gibt es Filialen am Bahnhof Zoologischer Garten und am Hauptbahnhof. Tatsächlich ist der Besuch von „Curry 36“ immer wenn ich in Berlin bin meine erste Anlaufstelle. Und immer wieder ist es ein Genuss, die leckere Currywust ohne Darm mit dem leicht warmen, außen crossen, innen fluffigen Brötchen zu verzehren. Auch meine Begleitung war ehrlich begeistert ob dieser kultigen Currywurst und es wird nicht der letzte Besuch dort während dieser Reise gewesen sein.

Es gibt jedoch eine Currywurstbude, die „Curry 36“ fast den Rang abläuft. Diese befindet sich am wunderschönen Gendarmenmarkt (Tipp 2), der zu Recht als einer der schönsten Plätze Berlins gilt und heißt „Dom Curry“ (Tipp 3), weil sie sich unmittelbar am Deutschen Dom und gegenüber des Hotels „Hilton“ befindet. Das Hotel „Hilton“ betreibt diese Nobel-Currywurstbude und servierte die fantastische Wurst mit delikater, vom Chefkoch des Hilton selbst creierten Currysoße in Vor-Corona-Zeiten stilecht in einem Porzellanschälchen und kleinem Metallgäbelchen. Dann konnte man an einem herrlichen Sonnentag unter schatten spendenden Bäumchen auf dem Gendarmenmarkt sitzen und zur Currywurst ein Glas Sekt trinken, die Menschen auf dem Platz beobachten und ein wenig Kraft für die weitere Stadtbesichtigung tanken. Das war gestern. Heute in Corona-Zeiten wird einem die Edel-Currywurst in dem üblichen schnöden Pappschälchen gereicht und in Ermangelung an Sitzgelegenheiten, verzehrt man diese entweder sitzendenderweise wenn es nicht regnet auf den Stufen des Deutschen Doms oder aber auf den Holzbänken, die in der Mitte des Platzes um das Konzerthaus herum stehen.

Gendarmenmarkt mit Konzerthaus (links) und Französischem Dom

Nun geht es frisch gestärkt weiter den Gendarmenmarkt herauf bis zum Bebelplatz, dem Platz auf dem die Nazis (ich meine hier die echten Nazis und nicht die, die man heute dazu macht) im Jahre 1933 die Bücher unliebsamer, kritischer Literaten, darunter Erich Kästner, Heinrich Mann oder Siegmund Freud verbrannten. Die, die das heute tun, die also wieder Bücher von Erich Kästner und anderen kritischen Zeitgenossen aus den Bücherregalen verbannen sind die, die jene damals von den Nazis Verbannten heute als Nazis titulieren. Verrückte Welt, oder? Es kommt alles wieder, nur unter umgekehrten Vorzeichen.

Es geht weiter in Richtung Berliner Dom und neu gebautem Stadtschloss bzw. Berliner Schloss, auf dessen Areal früher der Palast der Republik, auch „Erichs Lampenladen“ genannt stand. Dann machen wir einen kurzen Abstecher am Zeughaus vorbei, in dem sich das höchst interessante historische Museum (Tipp 4) befindet und laufen an einem Spreearmufer entlang auf die Museumsinsel, passieren Angela Merkels Wohnhaus und werfen einen kurzen Blick auf das sich gerade im Umbau befindliche Pergamonmuseum (Tipp 5). Dort kann man das Markttor von Milet, das Ischtar-Tor, den Pergamon-Altar und die Prozessionsstraße von Babylon bestaunen.

Zurück geht es „Unter den Linden entlang“ an der Neuen Wache und Humboldt-Universität vorbei in Richtung Brandenburger Tor bis zur Friedrichstraße, in die wir rechts einbiegen. Dort liegt kurz vor dem Bahnhof Friedrichstraße das Kunstkaufhaus „Dussmann“ (Tipp 6), in dem es wirklich alles gibt, was das wissende und an Kunst und Literatur interessierte Herz begehrt. Dort finde ich auch endlich ein Tschechisch-Deutsches Lehr- und Übungsbuch, das ich in normalen Schmalspurbuchhandlungen bisher vergeblich suchte. Die Buchauswahl bei Dussmann ist wirklich großartig und mit nichts zu vergleichen. Am besten man bringt viel Zeit mit, wenn man dort ist und jemanden, der Kraft genug hat, die ganzen neuerworbenen Bücher-Schätze nach Hause bzw. ins Hotel zu tragen.

Gerhard Schröder war auch schon da

Wir überqueren die Spree, nicht ohne vorher einen kurzen Blick auf den links liegenden Tränenpalast zu werfen und pausieren schließlich in der „Ständigen Vertretung“ (Tipp 7) am Schiffbauerdamm. Diese kölsche Kneipe, die ursprünglich in Bonn lag und in der viele Bonner Politiker ihr Feierabendbier tranken zog, nachdem Berlin Bundeshauptstadt wurde, mitsamt der Politikermischpoke nach Berlin um und versteht sich seither als Vertreter der „rheinischen Kultur“ in Berlin. So manch ein Politiker oder nostalgischer Rheinländer geht dort noch immer ein und aus und die Wände im Innern der „Ständigen Vertretung“ sind über und über mit Politikerkonterfeis tapeziert. 

Ständige Vertretung am Schiffbauerdamm

Mein Lieblingscafé in Berlin in das Café Einstein „Unter den Linden“ (Tipp 8). Dort esse ich und auch meine Begleitung den besten Kaiserschmarren mit warmem Zwetschgenkompott, den es gibt und den ich immer esse, wenn ich dort bin. Und spätestens jetzt ist der Berlin Skeptiker versöhnt und muss zugeben, dass nicht alles schlecht ist in dieser Stadt. Und wenn man Glück (oder Pech, je nach dem) hat, begegnen einem dort Politiker wie Gregor Gysi (der saß schon am Tisch neben mir und wurde gerade von einer Journalistin interviewt) oder Karl Lauterbach oder andere Hauptstadtpolitikerdarsteller sowie deren servile Erfüllungsgehilfen, die Journalisten.

Kaiserschmarren im Café Einstein – Unter den Linden

Luxus-Kaufhaus Leerstand

Einigermaßen erschreckt hat mich der Besuch der Luxus-Kaufhäuser in Berlin. Hier sei erst einmal die „Galerie Lafayette“ (Tipp 9) in der Friedrichstraße genannt. Das Kaufhaus war erschreckend leer. Und auch in der vom Untergeschoss ausgehenden unterirdischen Luxus-Passage „Quartier 205“ war absolut gähnende Leere und Laden-Leerstand. Klar, wer will auch mit „Alltagsmaske“ vor dem Gesicht gemütlich flanieren. Dass die Kauflaune mit diesem feuchten Lappen im Gesicht bei null angelangt ist, ist ja mittlerweile kein Geheimnis mehr. Da hilft es auch nicht, eine Luxus- und mit Pailletten benähte Edel-Alltagsmaske in der Visage zu tragen. Dekadent geht Deutschland zu Grunde. Hauptsache mit Nobel-Maske.

Luxus Alltagsmaske in der Galerie Lafayette, Friedrichstraße
Passage Quartier 205, Friedrichstraße

Aber auch im „KaDeWe“ war nicht mehr viel los. Die weltbekannte Feinkostabteilung im oberen Geschoss hatte schon weitaus bessere Tage gesehen. Viele Restaurationen waren mit Planen abgehängt und das ganze desolate Ambiente glich mehr einer gesichtslosen Messehalle mit provisorisch aufgebauten Verkaufs-Ständen als der noblen Feinkostabteilung eines Luxus Kaufhauses von Weltruf. Im gesamten Kaufhaus herrschte ebenfalls gähnende Leere und lockte keine kaufunlustige Tammy mehr hinter dem Ofen hervor. Erschreckt hat mich, dass sogar die Nobel-Handtaschen im „Sale“ waren und quasi wie Sauerbier an die modebewusste Frau gebracht werden wollten. Ich kann mich nicht erinnern, dass Nobelmarken es je nötig hatten, ihre zugegebenermaßen völlig überteuerten Luxuswaren im „Sale“ wie Ramsch zu verkloppen. Tja, Corona sei Dank regelt sich nun auch dieser Missstand und zeigt, dass auch Luxuswarenhersteller nicht gegen Corona bzw. den harten Maßnahmen gegen Corona immun sind.

Café mit Flair

Ein absolutes Highlight ist das Café im Literaturhaus in der noblen Fasanenstraße (Tipp 10) unweit des Ku`damms. Es befindet sich direkt neben dem Käthe Kollwitz Museum in einem romantischen Garten und ist was die Lage betrifft, kaum noch zu toppen. Überhaupt ist die Fasanenstraße eine der Top-Adressen in Berlin und jeder, der etwas auf sich hält und das nötige Kleingeld hat, lässt sich dort mit seiner Anwaltskanzlei nieder. Apropos klein. Auch Gregor Gysi kann man dort mit Glück (oder Pech, je nachdem) antreffen, denn er hat seine Kanzlei, ebenso wie die von Renate Künast direkt gegenüber dem Literaturhaus in einem noblen und herrschaftlichen Stadthaus mit prächtiger Gründerzeitfassade. Tja, über das dafür notwendige Kleingeld scheinen die Herr- und Frauschaften der Linken und Grünen jedenfalls zu verfügen.

Literaturhaus Berlin mit Café

Charlottenburger Kiez

Echtes Berliner Stadtleben findet in den zahlreichen Berliner Kiezen statt. Ich habe mir sagen lassen, dass so mancher Berliner sein eigenes Kiez niemals oder nur wenn absolut notwendig verlässt. Ein besonders schönes Kiez ist das Charlottenburger Kiez rund um die Schloßstraße. Hier ist es herrlich ruhig und kaum Touristen verirren sich hierher. Die, die zum Schloß Charlottenburg mit seinem prächtigen Schloßgarten wollen, lassen die Straßen links und rechts der Schloßstraße einfach links liegen und begeben sich schnurstracks zum Schloß ohne über Los zu gehen. Dabei müssten sie nur einmal links abbiegen und dann nach einem weiteren Abbiegen die wunderschöne und ruhige Danckelmannstraße (Tipp 11) durchlaufen. Dann würden sie eine der schönsten Straßen Berlins kennen lernen und wie sich so ein Kiezleben fernab der Disneyland-Sehenswürdigkeiten mit Ampelmann-Shop und Touristen-Kneipe mit seinen Kiezbewohnern und urigen Lädchen anfühlt. Dann würden sie ein Stück „echtes“ Berlin erleben. Echt und schön. Es gibt natürlich auch das echte und unschöne Berlin, aber hierüber möchte ich heute nicht schreiben.

Danckelmannstraße

Eine Besonderheit ist der „Ziegenhof“ (Tipp 12) im Hinterhof eines Hauses in der Danckelmannstraße. Dort leben Ziegen und Hühner in einem Gehege ein glückliches Viehleben und auch die jungen und alten Besucher sind glücklich dort und freuen sich über ein Stück Idylle und Natur in der lauten Großstadt. Bänke laden zum Verweilen ein und alles dort ist so herrlich unperfekt und echt. Das ist schön. Das ist auch Berlin.

Ziegen im Ziegenhof

Lietzensee

Zum Abschluss laufen wir die Suarezstraße, in der sich ein Antiquitätengeschäft neben dem anderen reiht ein Stück hinunter und begeben uns zum „Stutti“, dem Stuttgarter Platz, der Ausgehmeile der Charlottenburger. Nachdem wir dort bei einem netten Italiener eingekehrt sind, geht es zurück über den herrlich gelegenen Lietzensee, der wirklich ein absolutes Naturparadies mitten in der Stadt und unbedingt sehenswert ist. Dies ist mein letzter Top-Tipp 13.

Lietzensee

Was mich wirklich genervt hat war, dass man in Deutschland überall wieder mit dieser elenden Alltagsmaske im Gesicht herumlaufen muss. Das ist in Tschechien nicht mehr der Fall und es hat mir wieder schmerzlich vor Augen geführt, wie sehr dieser Lappen im Gesicht einem das Leben und die Laune vermiesen kann. Und ein Ende ist nicht abzusehen. Corona forever und die meisten Deutschen laufen im Stechschritt mit, ohne zu hinterfragen.

Trotzdem war ich gerne wieder in Berlin und habe Orte besucht, die ich liebe und die ich immer wieder gerne besuchen werde.

„Berlin! Hör ich den Namen bloß, da muß vergnügt ich lachen!
Wie kann man da für wenig Moos den Dicken Wilhelm machen!“

Aus dem Lied „Berliner Luft“ von Heinrich Bolten-Baeckers

4 Kommentare zu „Tammy on Tour in Berlin – Meine persönlichen Haupt-Stadt-Ansichten

    1. Herzlichen Dank liebe Yvonne 🙂 Das freut mich sehr, dass mein Artikel dazu beigetragen hat, ein paar Vorurteile von Berlin ein wenig zu entkräften. Es ist nicht alles schlecht in Berlin. Es ist eine große Stadt in der es Licht und Schatten gibt. Alles Liebe! Tammy

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  1. Vielen Dank für den tollen Bericht. Du hast ja bereits alles gesagt und zeigst mit dem letzten Bild auch noch die schlechten Seiten von Berlin (mit Waldmeister) 😁
    Karl »Wo ist die Kamera, ich muss vor der 2.Welle warnen« Lauterbach triffst Du momentan eher im Fernsehstudio als im Café.

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