Café Wunder-Bar – Kostbares Kleinod – Wo es mehr als Kaffee und Schokolade gibt

Es gibt gewöhnliche, ungewöhnliche und außergewöhnliche Orte. Dasselbe gilt auch für Menschen. Durch einen glücklichen, unverhofften Zufall war es mir vergönnt, einen solchen Ort und einen solchen Menschen kennenzulernen.

Schokolade, Kunst und Kaffee

Bei meinem ersten Besuch des nahe meines neuen Wohnortes gelegenen kleinen Städtchens entdeckten wir durch Zufall ein kleines Café, das so ungewöhnlich war, dass ich ihm und seinem Besitzer gerne einen eigenen Artikel widmen möchte.

Nach einer ausgiebigen Erkundigungstour waren wir eigentlich schon auf dem Rückweg und bogen kurzentschlossen in ein kleines Sträßchen ein, das wir auf dem Hinweg erst links liegen ließen, weil es uns nicht interessant erschien. Wir kamen an einem Schaufenster vorbei, das mit weißer Kreideschrift bemalt und beschriftet war. Dort stand: „Choco-Art-Coffé“ und im Schaufenster lag allerhand alter Krempel und Trödel kreuz und quer durcheinander gewürfelt. Ich dachte erst, es handelte sich um einen Trödelladen und eigentlich wollten wir schon weitergehen, aber irgendetwas fesselte uns und wir sahen uns die Dinge, die da im Schaufenster wild durcheinander lagen, doch näher an.

Uriges Original

Plötzlich kam ein Mann aus dem Ladengeschäft, an dem mir zuerst seine merkwürdige Kopfbedeckung ins Auge stach, die aussah, wie eine französische Kochhaube. Freundlich plapperte er munter auf Tschechisch drauflos und lud uns durch einladende Gesten ein, den Laden zu betreten. Ich verstand natürlich kein Wort und wusste nicht wie mir geschah, aber merkte, wie sich mein Begleiter in ein Gespräch mit diesem merkwürdig, aber freundlich anmutenden Mann verwickeln ließ und folgte beiden in diesen Laden, von dem ich immer noch nicht wusste, was er eigentlich war.

In dem mit Kunst, Kitsch und Krempel vollgestellten Raum standen zwei Tische und auf der rechten Seite befand sich eine Glasvitrine, in der Pralinen und verführerischste  Schokoladenkreationen präsentiert wurden. Dann sah ich im hinteren Bereich einen Profi-Kaffeevollautomaten stehen und so langsam dämmerte es mir, dass wir uns wohl in einer Art Café befanden. Die beiden Männer waren mittlerweile intensivst in ein Gespräch vertieft und ich sah die Begeisterung in den Augen meines Begleiters. Da ich ja kein Wort verstand, übersetzte er mir immer mal den ein oder anderen Satz. Es stellte sich heraus, dass der Mann Fotograf und Chocolatier war und dass die Pralinen und Schokoladen Eigenkreationen von ihm waren.

Seine Frau, die wenig später auch das Café betrat, gesellte sich zu uns. Dieser freundliche und ein wenig skurril anmutende Mann zückte dann seine Kamera und fotografierte uns. Dann lud er uns ein, Platz zu nehmen. Wir wussten gar nicht so recht wie uns geschah und plötzlich fanden wir uns an einem der beiden Tische wieder und bestellten schließlich Cappuccino und verschiedene Pralinen und Schokoladenkreationen.

Ich ließ meinen Blick schweifen und war erst einmal erschlagen von all den Dingen, die in diesem kleinen Raum herumstanden und lagen. Er war so dermaßen vollgestellt mit Krims und Krams, mit Kunst- und Fotografiebüchern, altem Porzellan und alten Modellautos, Figuren, Fotografien, Gemälden, Skulpturen, Kisten und Kästchen, dass ich Mühe hatte, alles zu erfassen. Auf einem Bild stand sein Name: Vladimír Dvorácek. Die ganze Atmosphäre dort war beeindruckend und fesselnd und auch, diesen Mann und sein Gebaren zu beobachten und vor allem seine Kopfbedeckung, die ich ständig ansehen musste.

Nachdem er uns den Cappuccino, der wirklich hervorragend schmeckte und die Pralinen, die einfach fantastisch waren, brachte, setzte er sich zu uns und begann, sich mit uns bzw. mit meinem Begleiter angeregt zu unterhalten. Er erzählte mit einer Begeisterung von seiner Frau, die Violinistin und Sängerin war und dass sie ab und zu Hauskonzerte abhielt, zu welchen sie uns dann auch herzlich einluden.

Die Sprache des Herzens

Ich verstand so gut wie kein Wort von dem was er sonst alles erzählte, aber das war auf eine Art auch gar nicht so wichtig. Das Seltsame war, dass ich es doch verstand. Und zwar mit dem Herzen. Dieser Mann redete mit einer Begeisterung, die so ansteckend war, dass ich wusste, wir sprechen die gleiche Sprache und zwar die Sprache, die über alle Sprachen verbindend ist. Es ist die Sprache des Herzens, für die man keine Worte benötigt.

Er steckte uns wirklich an mit seiner fast kindlichen Begeisterung und zeigte uns schließlich Dinge, die er sammelte. Seine Begeisterung war so ansteckend, dass man sich ihr kaum entziehen konnte. Unvermittelt zog er aus einem von oben bis unten vollgestellten Regal schließlich ein Schächtelchen hervor und mir blieb beinah das Herz stehen, denn der ganze Krempel drohte nun in sich zusammenzufallen und abzustürzen. Zu dritt versuchten wir das drohende Unheil zu verhindern, indem wir unzählige Gegenstände festhielten und versuchten das ganze wieder in Balance zu bringen. Es fühlte sich an wie eine halbe Ewigkeit während er in einer Seelenruhe die Dinge wieder zurücklegte und die Balance schließlich wiederhergestellt war. Und das Gebilde hielt. Im einem kleinen Schächtelchen befanden sich sehr alte Schokoladenverpackungen aus der Schweiz und Tschechien, die teilweise bis zu 100 Jahre alt waren. Er sammelte diese alten Schokoladenverpackungen so wie andere Menschen Briefmarken sammeln. Zu jedem Papier wusste er eine kleine Geschichte zu erzählen. Seine Augen glänzten, als er von seinen Kostbarkeiten schwärmte.

Schließlich holte er ein großes, dickes Buch hervor und es stellte sich heraus, dass es ein Gästebuch war, in dem wir dann mit großem Interesse begannen zu blättern. Menschen aus aller Welt verewigten sich dort in diesem besonderen Buch der Kostbarkeiten. Die schönsten Bilder und Collagen, sowie Skizzen entdeckten wir dort. Die Einträge in diesem Gästebuch kamen von Menschen aus Kanada, Süd-Amerika, Schottland, Frankreich, Belgien, Italien, Japan und vielen anderen Ländern.

Man merkte, dass all die Menschen, die sich dort eintrugen, ebenso begeistert wie wir über diesen außergewöhnlichen Mann, seine außergewöhnlichen Schokoladenkreationen sowie dieses außergewöhnliche kleine Café waren, das mit keinen anderen Maßstäben gemessen werden kann. Immer mehr dämmerte uns, dass wir hier etwas ganz Besonderes entdeckt haben. Vladimir bat uns dann, uns auch in dem Gästebuch mit einem Gruß zu verewigen. Das taten wir sehr gerne.

Er erzählte dann, wie es im Kommunismus war und dass es auf eine Art eine schlimme Zeit war, aber dass es auf der anderen Seite auch keine Kriminalität gab. Er monierte die Verrohung der Gesellschaft und dass Kinder heutezutage schon früh brutalisiert werden. Währenddessen sah sich sein kleiner, ca. 5-jähriger Sohn den tschechischen Zeichentrickfilm „Krtek – Der Maulwurf“ an. So süß ist diese tschechische Kinderserie, die auch zu meiner Zeit schon im deutschen Fernsehen lief und die ich als Kind auch immer so gerne sah, so wie die meisten tschechischen Kinderfilme wie „Pan Tau“ oder „Luzie, der Schrecken der Straße“. Auch um Migration ging es und er meinte verschmitzt lächelnd, dass alle Migranten nach Deutschland abhauen, da sie in Tschechien nicht willkommen sind. Und das wäre auch gut so.

Die Zeit verging wie im Flug und alles in Allem waren wir bestimmt fast zwei Stunden in diesem wunderbaren Café und ließen uns von diesem außergewöhnlichen Menschen, seinen Geschichten und der Atmosphäre dort inspirieren. Aber auch für uns interessierte er sich und stellte allerlei Fragen. Zum Abschluss fertigte er noch eine kleine Skizze für meinen Begleiter an, die er signierte und ihm dann feierlich überreichte.

Meine Güte, was war das für eine Begegnung. Was für ein Mensch und was für ein toller Abschluss eines ereignisreichen Tages. Wir kommen auf jeden Fall gerne wieder.

Wenn Ihr einmal in Ceska Lipa seid, besucht dieses Café. Wo Unkonventionalität einen Namen hat!

4 Kommentare zu „Café Wunder-Bar – Kostbares Kleinod – Wo es mehr als Kaffee und Schokolade gibt

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