Ich habe es doch getan – Corona-Shopping am Samstag

Obwohl ich mir felsenfest vornahm, an diesem Samstag nicht in die Stadt zu gehen, wohl ahnend, was mich erwarten würde, tat ich es doch. Tat es mir an. Ja, es war in der Tat grauenhaft!

Tammy kam, sah und flüchtete

Dieser Weg wird kein leichter sein, dachte ich mir schon, bevor ich los lief, bewaffnet mit Gesichtsmaske, Haare bezopft und sportlich gekleidet mit Jeans, Sneakers, warmer Fleecejacke und Halstuch. Heute war es regnerisch und kühl. Ich wollte mal schnell in mein Stamm-Handarbeitsgeschäft gehen und mir noch ein paar Wollknäuel in fröhlichen Farben in unfröhlicher Zeit kaufen, da ich mich momentan in einer akuten Häkelphase befinde, deren tiefere Ursache wohl eine Art von Frustabbau ist. Frust über das, was wir derzeit erleben in unserem Land und das mir immer noch alles irgendwie surreal vorkommt. Natürlich hätte ich die Knäuel auch im Internet bestellen können. Da ich aber die Ladenbesitzerin des Handarbeitsgeschäfts kenne und ein ureigenes Interesse habe, dass dieser kleinen Laden die  Corona-Krise überleben wird, ist es selbstverständlich, dass ich dort mein Geld lasse und wenigstens ein wenig für Umsatz in dieser schwierigen Zeit sorge.

Außerdem trieb mich die Neugier. Ich wollte wissen, wie es an diesem ersten Samstag nach der Lockerung in der Stadt sein würde und wie sich solch ein Stadtbummel mit Maske anfühlt.

Zuerst führte mich mein Weg am Wochenmarkt vorbei. Normalerweise gehe ich immer über den Markt, heute aber ging ich außen herum, da man den Markt nur mit Maske betreten darf. Und darauf hatte ich wirklich keine Lust. Also lief ich am Rande des Marktes entlang und sah all die maskierten Zombies mit ihren teilweise selbstgeschneiderten Masken herumlaufen. Irgendwie bizarr sah das alles aus. Die Cafés und Restaurants, die den Marktplatz säumen, waren natürlich alle geschlossen und die Tische und Stühle beiseite geräumt. Normalerweise sind diese gerade zu Markttagen voll besetzt und es ist so gut wie unmöglich, dann noch einen Platz zu ergattern. Der Marktplatz mit seiner Gastronomie außen herum ist einer DER Treffpunkte des Städtchens und jeder, der etwas auf sich hält, lässt sich hier an einem Samstag blicken. Sehen und gesehen werden, heißt die Parole. Interessanterweise hatten manche Gastronomen eine Art Bar-Betrieb auf die Beine gestellt. Und so standen dann Menschentrauben mit Pappbechern in der Hand vor dem jeweiligen Lokal und unterhielten sich. Den Mindestabstand von 1,50 haben sie nicht eingehalten. Und das ist auch gut so. Die Menschen wollen gesellig sein und das gemeinsame Klönen im Café am Samstag gehört einfach dazu. Das ist Leben und Lebendigkeit und die Menschen wollen sich das nicht nehmen lassen.

Mein Weg führte mich dann durch die Einkaufspassage bzw. ein kleines Einkaufszentrum. Dieses darf man jetzt auch nur noch mit Alltagsmaske betreten. Vor den Eingängen standen orientalisch aussehende Ordner in schlecht sitzenden Anzügen und kamen sich ganz besonders wichtig vor. Sie kontrollierten, ob auch jeder brav seine Maske aufhat. Ohne Maske kein Einlass. Unglaublich. Irgendwie fragte ich mich ständig, ob das alles wirklich real ist was ich erlebe. Und am meisten erstaunte mich, dass die Menschen das anscheinend alles so hinnahmen, als wäre es das Normalste auf der Welt, mit einer Maske herumzulaufen. Erschreckend, wie schnell das Unnormale zur Normalität wird. Der Mensch ist tatsächlich ein Gewohnheitstier.

Schließlich kam ich an einer nordeuropäischen Bekleidungskette vorbei. Zig DIN A4 Blätter mit Warnhinweisen hingen an den Eingangsschaufenstern. Davor standen wieder Security-Wichtigtuer und wiesen die Kundinnen an, sich richtig vor dem Laden mit gebührendem Abstand anzustellen. Und sie taten es auch. Da standen sie also und warteten auf Einlass. Und wenn sie nicht gestorben sind, stehen sie wohl noch immer dort und warten. Nichts auf der Welt hätte mich dazu gebracht, mich an einem Bekleidungsladen anzustellen. Außer vielleicht, mir wäre mein letztes Hemd ausgegangen. Aber das wird mir bei meinem vollen Kleiderschrank wohl niemals passieren.

An einer anderen Bekleidungskette war gerade nichts los und so betrat ich kurz entschlossen den Laden. Auf dem Boden klebten schwarz-gelbe Markierungsstreifen mit Richtungspfeilen. Während ich noch nach unten sah, um mich zu orientieren, wie ich laufen dürfe, wies mich eine Verkäuferin darauf hin, dass ich eine Einkaufstragetasche aus Kunststoff zu nehmen hätte, andernfalls dürfe ich den Laden nicht betreten. Also – nur einmal entspannt ein wenig durch ein Geschäft schlendern ist nicht mehr möglich. Man muss nun also sogar in einem Bekleidungsladen und auch im Kaufhaus einen Korb oder eine Plastiktragetasche nehmen, weil sie wohl nur so die Anzahl der Menschen im Laden kontrollieren können. Einerseits verständlich, andererseits können die mich mal. Sorry. Ich lehnte dankend ab und meinte zu ihr, dass sich die Sache für mich erledigt habe.

Es ist also genau so, wie ich es mir vorgestellt habe. Schöner shoppen war gestern. Ein entspannter Einkaufsbummel artet in einen unentspannten Spießrutenlauf aus. Mal eben kurz in einen Laden gehen, ein wenig gucken, geht nicht mehr. Alles ist jetzt mit Mühe und Aufwand verbunden. Dazu noch einen Mundschutz, der einem die Luft zum Atmen nimmt. Tatsächlich ging mir nach einer Weile die Luft aus und ich musste mir dringend die Nase putzen. Also schnell raus aus dem Einkaufzentrum. Leider ging draußen gerade ein Platzregen mit Windböen nieder. Da kauerte ich mich dann wie ein begossener Pudel eng ans Mauerwerk drückend, ausgefroren, mit halb aufgeweichtem Mundschutz in der Hand und wartete, bis der Sturzregen vorbei war, um mich schließlich deprimiert auf den Nachhauseweg zu machen.

So wird das nichts. Ich glaube nicht, dass den Einzelhändlern mit dieser Art von „Lockerung“ wirklich geholfen ist. Shopping hat etwas mit Lust und Laune zu tun und nicht mit Zwang und zweifelhaften Regeln. Entweder es wird so, wie es früher war, oder es wird gar nichts mehr.

Hier das Flugblatt des Artikels zum Herunterladen und Verteilen.

4 Kommentare zu „Ich habe es doch getan – Corona-Shopping am Samstag

  1. Die Richtung ist klar vorgegeben. Die Läden sollen sterben, elendig zu Grunde gehen. Es lebe das Online Shopping. Amazon and Friends scharren schon mit den Hufen. Die Innenstädte sollen veröden und den Moscheen und Shisha Bars Platz machen, genau wie Du es in Deinem Text «Einöden der Neuzeit – Deutsche Innenstädte» treffend beschrieben hast.

    Kleine Anekdote aus dem Nachbarland Tschechien. Ich war heute früh unterwegs, weil ich den Rasenmäher in die Werkstatt brachte. Auf dem Rückweg, es war gerade 9 Uhr, wollte ich im Kaufland frisches Brot kaufen. Die Betonung liegt auf wollte, denn in Tschechien gibt es die freiwillige Anordnung der Regierung, dass von 8 bis 10 nur die Senioren (ab 65 Jahre) Zutritt haben. Und so wurde ich von einem Security Typen nach meinen Geburtsjahr befragt und als nicht Senioren würdig befunden und demzufolge wurde mir der Eintritt in Kaufland verwehrt. Unter der Woche, knirsche ich laut mit meinen Zähnen, aber an einem Samstag oder Sonntag (hier in Tschechien sind die Läden sonntags offen). Die Senioren, gehen aber auch zu den anderen Zeiten, also ab 10 Uhr bis Ladenschluss einkaufen. Was soll der Schxxss? Hier werden Generationen gegeneinander ausgespielt. Teile und Herrsche.

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  2. ich war am samstag auch mal wieder im kaufland unterwegs.
    meine maske mit der aufschrift,,Zuchtprogramm,, war natürlich auch wieder dabei.
    da meine frau noch einen brief abgeben musste,hatte ich natürlich auch zeit,und mich am eingang des ladens positioniert.ich wollte allen leuten ins gesicht schauen.
    ein grauenhafter anblick all diejenigen die ich anschaute.ein bruchteil einer sekunde wurde ich auch wahr genommen.dann senkten sich ihre köpfe automatisch in richtung ihres leeren einkaufswagen.traurig,aber auch richtig lustig diesen treiben anzuschauen.
    nun gut,80 prozent der leute waren alimentierungsbefugte,die da gerade mein geld ausgeben.aber egal,leben und leben lassen heisst es ja so schön.
    die restlichen die lesen konnten,und ungläubig auf meine maske schauten,habe ich angemerkt,das ich die virenschleuder persöhnlich sein muss,die diese pandemie erzeugt hat.
    und ,,last but not least,,sehe ich gerade RTL aktuell,die über eine demo in stuttgart berichten,wo sich ca 5000 verschöhrungstheoretiker versammelt haben,um gegen die regimemassnahmen zu demonstrieren.
    ach gott,in welch einer welt hat es mich verschlagen.
    achja ich bin der querdenker,und hab immer wieder probleme mich anzumelden….seltsam

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