Konsumklimawandel: Eiszeit – Shopping in Zeiten von Corona

Tja, wer hätte das gedacht. Es gibt also doch einen menschengemachten Klimawandel. Wir schlittern gerade in eine neue Eiszeit. Und zwar in eine selbst fabrizierte Konsumklimaeiszeit. Der Einzelhandel beklagt die schlechte Kauflaune der Verbraucher und man befürchtet schon, dass nach Corona nichts mehr so sein wird, wie es war. Nein! Doch!! OHHHH!!!

Surprise, surprise

Es war doch absehbar wie es kommen wird und jetzt ist der Katzenjammer groß. Man befürchtet „nachhaltige Veränderungen des Verbraucherverhaltens in einer Geschwindigkeit, die wir bisher nicht kennen“ sagte BCGs Deutschland-Chef Matthias Tauber in einem Interview in der Welt.

Gerade der Bekleidungshandel in den Innenstädten sei betroffen. Die Menschen hätten kein Interesse und auch keinen Bedarf mehr an Bekleidung. Woher soll der auch kommen, wenn man den ganzen Tag eingesperrt im Jogginganzug zuhause hockt und auf bessere Zeiten wartet. Daher fordert der Handel jetzt Corona- oder Konjunkturschecks, damit die Konsumfreude wieder angekurbelt wird.

Entspannt shoppen war gestern

Obwohl es in den Städten eine leichte Lockerung gibt und einige wenige Läden unter strengen Auflagen und unter 800 qm wieder geöffnet haben, sind die Einzelhändler unzufrieden. Die Laufkundschaft würde fehlen und auch scheinen die Menschen das Geld nun eher zusammen zu halten, anstatt es mit vollen Händen für Klamotten auszugeben. Lange können viele Einzelhändler das nicht mehr durchhalten, bevor sehr viele Geschäfte über den Jordan gehen. Dann hat sich die Sache. Geliefert wie bestellt.

Ich merke es ja an mir selbst. Vor Corona ging ich gerne mal bummeln im Städtchen. Gut gelaunt mit einer gehörigen Prise Kauflust schlenderte ich durch die Stadt und kaufte mir auch hier und da mal etwas Ungeplantes. So etwas nennt man Kauflaune. Das verband ich meist mit dem Besuch in einem Café, einer Eisdiele oder einem Restaurant. Entspannt ließ ich mich nieder und trank einen Aperol Spritz in meinem Stamm-Café, beobachtete die Menschen, genoss den Zauber des Augenblicks und ließ den lieben Gott einen guten Mann sein. Ich freute mich über mein erworbenes Sommerkleid, die hübschen Sandaletten und den himbeerfarbenen Lippenstift und konnte es kaum erwarten, meine Neuerwerbungen baldmöglichst auszuprobieren bzw. auszuführen. Vielleicht bei einem Sommerfest, oder auf dem Geburtstag von Tante Erna oder im geplanten Urlaub an der Riviera. Denn dafür kauft man sich ja den ganzen Plunder. So funktioniert das eben nun einmal. Wenn man aber dazu verdammt ist, nur zuhause zu hocken, ist es eben schnell vorbei mit der Kauflaune.

Hinzu kommt, dass ein entspannter Einkauf mit einem Mundschutz, unter dem ruck zuck ein feuchtwarmes, stickiges Klima entsteht, wirklich alles andere als angenehm ist. Erst recht, wenn draußen die Temperaturen steigen. Von der Optik ganz zu schweigen. Wie sieht das denn auch aus? Flanieren im luftigem Sommerkleidchen, offenen Schühchen und dann solch einen angefeuchteten Bakterien-Lappen vor dem Gesicht? Nein, Danke, ich verzichte. Dann bleibe ich lieber zuhause.

Und auch auf einen Slalomlauf durch die von übereifrigen Ladenbesitzern auf den Boden angebrachten Markierungen, Richtungspfeile, Stopp- und sonstigen Warnschildern habe ich wirklich keine Lust. Das eigentlich locker-entspannte Shoppen wird nun mühselig, schwer und unentspannt. Da wird jede Kauflaune im Keim erstickt. Und auch darauf, mir vor jedem Laden erst einmal in einer ewig langen Schlange die Beine in den Bauch zu stehen, um endlich Einlass zu bekommen, habe ich keine Lust. Das Shoppen artet so in eine Tortur aus und hat mit Vergnügen rein gar nichts mehr zu tun. Und dann, wenn ich es nach einer halben Stunde Warten endlich geschafft habe, die Boutique zu betreten, bekomme ich schnell ein betretenes Gefühl, wenn ich mich zu lange im Laden umsehe, wohl wissend, dass da draußen vor der Tür noch 20 Frauen sehnsüchtig darauf warten, endlich eingelassen zu werden. Denn wie heißt es so schön in Zeiten von Corona: Einer raus – einer rein. Wie ätzend ist das denn?

Ein anderer Aspekt ist, dass viele Menschen derzeit knapp bei Kasse sind durch Kurzarbeit oder sogar dadurch, dass sie ihre Arbeitsstelle verloren haben oder ihr eigener Betrieb kurz vor der Pleite steht. Wer hat da noch Sinn und Geld zum Shoppen? Diese Menschen haben wahrlich andere Probleme!

Das einzige, was ich derzeit kaufe, sind Lebensmittel. Ein paar Dinge habe ich mir im Internet bestellt. Ging ja wochenlang nicht anders. Klamotten, Schuhe und sonstige unnütze Sachen habe ich mehr als genug im Schrank und die trage ich eben einfach weiter. Tatsächlich habe ich noch nie so wenig Geld ausgegeben wie in den letzten Monaten. Das ist eben genau das Geld, das den Händlern jetzt fehlt.

Entweder man sieht zu, dass schleunigst alles wieder so wie früher wird, oder die können sich die Konsumlaune der Menschen abschminken. So wird das jedenfalls nichts. Und ihre Konjunkturschecks können die sich sonst wohin stecken.

Hier das Flugblatt des Artikels zum Herunterladen und Verteilen an Freunde und Bekannte.

3 Kommentare zu „Konsumklimawandel: Eiszeit – Shopping in Zeiten von Corona

  1. Liebe Tammy, meine Frau war „shoppen“. Sie berichtet analog zu deinem Einkaufserlebnis. Sie ist normalerweise wenn sie in der City ist auch in Cafés unterwegs. Nichts gibts´Die Maskenpflicht tut ihr übriges. Was mich betrifft, für mich war einkaufen in der City in den letzten Jahren ein notwendiges Übel, dass ich maximal 2 x über mich ergehen lassen musste. Ich wüsste nicht warum ich aktuell ausser Lebensmittel was anderes einkaufen sollte. Mir hat der Einkaufstrubel die letzten 5 Wochen überhaupt nicht gefehlt und daran wird sich auch in den nächsten Wochen nichts ändern.

    Gefällt 2 Personen

Schreibe eine Antwort zu Norbert Antwort abbrechen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s