Hoch-Zeit der Stubenhocker!

In unseren Tagen gibt es eine Spezies, die von Natur aus dazu prädestiniert ist, dem Corona Virus sowie überhaupt sämtlichen anderen Viren zu trotzen. Und zwar handelt es sich hier um den gemeinen Stubenhocker.

Der Stubenhocker – mit wem haben wir es hier zu tun?

Im Allgemeinen ist der gemeine Stubenhocker ein unsichtbarer und unauffälliger Zeitgenosse. Er fristet sein Dasein in seinem gemütlichen Zuhause und meidet so gut er kann alle Orte, an denen Menschen sich gerne in Massen tummeln. Auf Festivitäten, Konzerten, Familienfeiern, in Fitnessstudios oder samstags morgens beim Shoppen in der überfüllten Fußgängerzone sucht man ihn vergebens, den Stubenhocker. Während die Außerhäusigen ihre Zeit am liebsten mit gleichgesinnten, geselligen Zeitgenossen totschlagen,  verbringt der Stubenhocker seine kostbare Lebenszeit lieber in den eigenen vier Wänden und beschäftigt sich am liebsten mit sich selbst und mit seinem Partner, der im Idealfall ebenfalls ein Stubenhocker ist. Ein Stubenhocker-Paar kann sich ganz vorzüglich tagelang zuhause aufhalten, ohne dass es ihnen jemals langweilig wird. Es gibt ja so viel, das man gemeinsam treiben kann….. Nicht, dass Ihr jetzt auf falsche Gedanken kommt. Aber: Was gibt es denn Gemütlicheres, als im trauten, gemütlichen Heim mit einem guten Glas Wein vor dem heimeligen Kamin zu sitzen und unter Untermalung des knisternden Feuers einfach nur die Stille und Herzensverbundenheit mit einem geliebten Menschen zu genießen? Natürlich ist es gut möglich, dass es dann auch in anderer Beziehung schnell knistert, aber das ist ein anderes Thema…..

Man könnte sagen, dass es sich bei dem Stubenhocker um einen genügsamen Menschen handelt, der keine anderen Menschen und auch keine Animation von außen braucht, um seine Zeit zu vertreiben. Das schafft er ganz allein, denn er ist sich selbst genug.

Keine Feier ohne Meier

Anders die geselligen Zeitgenossen, die aber auch wirklich keine Gelegenheit auslassen, nicht zuhause sein zu müssen. Manchmal frage ich mich, ob es bei diesen Menschen zuhause so furchtbar ist, dass sie dieses meiden wie der Teufel das Weihwasser? Oder sind sie vielleicht mit einem Drachen verheiratet, von dem man versäumt hat, sich beizeiten zu trennen? Kaum von der Arbeit heim gekommen und kurz zwischen Tür und Angel in ein Brot gebissen, verlassen sie dieses wieder fluchtartig, um sich mit einem ihrer tausend Bekannten zu treffen oder um sich im Fitness-Studio Muskeln an- und ihren Bauch abzutrainieren. Irgendwie sind diese Menschen überall und nirgends. Ruft man sie auf dem Handy an – zuhause geht es ja nicht, da sie niemals dort sind -, sind sie ständig in Eile und schon wieder auf dem Sprung zum nächsten Termin. Sie lassen niemals etwas aus oder anbrennen, sei es das aktuelle Konzert von Andrea Berg, die angesagte Ausstellung von Willem de Kooning, die Einladung zum 25jährigen Hochzeitstag des Arbeitskollegen, den man eigentlich gar nicht leiden kann oder Silvester am Brandenburger Tor oder auf der Kölner Domplatte, immer sind sie dabei, niemals sagen sie etwas ab.

Polyglottes Leben ist lebensgefährlich

In Zeiten des Coronavirus sind gerade die Menschengruppen besonders ansteckungsgefährdet, die ein reiches Sozialleben haben mit vielen Sozialkontakten sowie Menschen, die viel in der Welt unterwegs sind und sich an den entferntesten Orten eher zuhause fühlen als bei sich. Irgendwie sind diese Menschen ständig unterwegs auf Kurz- oder Langzeit Urlauben und man fragt sich, woher dieser Drang nach dem ständigen Verreisen eigentlich kommt.

Leider sind diese Außerhäusigen in unseren Zeiten die Gefährdetsten, was eine Ansteckung mit diversen Viren betrifft. Und auch in Punkto Überfall und Messerdelikte sind sie seit einigen Jahren eher betroffen, als diejenigen, die sich abends vorzugsweise in den eigenen vier Wänden aufhalten. Wer heute zutage nachts um die Häuser zieht, ist selber schuld. Leider, muss ich sagen. Da hilft auch eine Armlänge Abstand nichts. Für diese geselligen Freunde wäre eine Quarantäne, also zwei Wochen das Haus nicht verlassen zu dürfen, schlicht eine Katastrophe. Schon nach einem halben Tag in den eigenen vier Wänden würde ihnen die Decke auf den Kopf fallen und sie fielen in eine tiefe Depression. Am zweiten Tag würden sie wahrscheinlich das Essen einstellen und am Ende der zwei Wochen Quarantäne wäre ihre Ehe im Eimer, weil jetzt offensichtlich geworden ist, wie fremd einem der eigene Ehepartner in all den Jahren geworden ist.

Klar im Überlebens-Vorteil sind in unseren Zeiten die Stubenhocker. Diese sitzen eine verordnete 2-wöchige Quarantäne locker auf einer A…backe ab und freuen sich innerlich, endlich mit einem guten Gewissen in der Stube hocken zu können.

2 Kommentare zu „Hoch-Zeit der Stubenhocker!

  1. Klasse Artikel. Auch bei mir heißt es auf gut englisch: Home sweet home und my home is my castle. In meinem Haus gibt es immer etwas, mit dem ich mich beschäftigen kann.

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