Tammy räumt auf – heute: Der Schuhputzkasten

Nach monatelangem Hinausschieben war es heute soweit und ich habe mich dazu aufgerafft, endlich meinen Schuhputzkasten aufzuräumen. Das war schon sehr lange überfällig, da der Kasten mittlerweile so dermaßen mit Schuhputzutensilien überfüllt war, dass sich der Deckel des Plastikkastens nur noch unter Anwendung von roher Gewalt schließen ließ.

Erstaunlich, was sich in den Jahren so angesammelt hat. Ich habe dort Pflegprodukte entdeckt, von denen ich nicht einmal mehr wusste, für welchen Schuh diese gedacht waren und ob ich den Schuh überhaupt noch besitze. Der Inhalt der meisten Schuhcremedosen war ausgetrocknet und krümelig. Von manchen Dosen bekam ich den Deckel gar nicht mehr auf. Die meisten Tuben waren zerknickt und zerdrückt, so dass ich mich an den scharfen Knickkanten beinah geschnitten habe. Kurzum: Es sah verheerend aus in diesem Schuhputzkasten des Grauens.

Tammy, der Tubenschreck

Obwohl ich mich ansonsten als einen recht ordentlichen Menschen bezeichne, so habe ich leider eine leidige Angewohnheit: Ich drücke nämlich sämtliche Tuben – also auch Senf-, Mayo-, und Zahnpastatuben – nicht sauber von hinten auf. Nein, ich drücke immer mitten drauf. Sobald ich eine prall gefüllte Tube in Händen halte, verspüre ich in mir den unwiderstehlichen Drang, diese in der Mitte fest zusammenzudrücken, um schnellstmöglich an den begehrten Inhalt zu kommen. Nicht umsonst nennt man mich auch „Tammy, den Tubenschreck“. Nun kennt Ihr also auch dieses eine, winzig kleine Laster von mir und könnt Euch vorstellen, welch trauriger Anblick sich für den Betrachter meines Schuhputzkastens bot: Dutzende zerquetschter Tuben mit herausgequollener Schuhcreme an den Bruchkanten, krümelige Schmutz-Radierer, die ihre besten Tage schon lange hinter sich hatten, benutzte, fleckige Schuhputzlappen, Schuhbürsten, deren Borsten in alle Himmelsrichtungen standen, leere Spraydosen, sowie diverse, teilweise einzelne Schnürsenkel, bei denen ich mich fragte, zu welchen Schuhen diese wohl jemals gehörten? Vor allem frage ich mich, warum ich eigentlich einzelne Schnürsenkel überhaupt aufbewahrt habe? Dieser Frage gehe ich vielleicht in einem weiteren Artikel gesondert nach.

Ohne  Schuhpflege geht gar nichts

Es ist ja mittlerweile so, dass man bei jedem Schuhkauf gleich noch die passende Schuhpflege von der tüchtigen Fachverkäuferin angedreht bekommt und seltsamerweise ist es immer eine andere. Niemals nie ist es bisher vorgekommen, dass ich die dargebotene Pflege, die mir die eifrige Verkäuferin so dringend ans Herz legte, damit ich noch lange Freude an meinem neuen Schuh habe, bereits besaß. Und das, obwohl ich bereits dutzende von Flaschen, Tiegeln, Tuben und Dosen mit Schuhpflegeprodukten besitze. Ich glaube, die Schuhgeschäfte generieren sich mit den Schuhpflegeprodukten satte Nebeneinnahmen zu ihrem eigentlichen Geschäft, dem Schuhverkauf. Und die Hersteller werfen immer neue Produkte auf den Markt, mit neuen Namen, so dass der hilflose Kunde fast gezwungen wird, sich bei jedem neuen Schuhkauf gleich noch die passende Pflege mitzunehmen. Schließlich will er nicht mit einem schlechten Gewissen, das ihm die Verkäuferin erfolgreich eingeredet hat, er würde seine Schuhe nicht ordentlich pflegen, nachhause gehen.

Das ist eine ganz fiese aber meist recht erfolgreiche Masche der Verkäufer. Mit einem schlechten Gewissen kann man noch jeden fangen. Sehen wir ja auch gerade gut an den Klima-Sektierern und der ganzen grünlinken Mischpoke, die uns unbescholtene Bürger andauernd mit ihren Endzeitreden, die Welt ginge unter, nur, weil wir so viel CO2 verschwendeten, ein schlechtes Gewissen einreden wollen. Aber zurück zum Thema….

Und was es da nicht alles gibt

Wir brauchen also eine Schuhpflege. Zuerst einmal muss man sich entscheiden, was man überhaupt braucht. Geht es um Schmutzabweisung, Hygiene, Eco-care, Fleckenentfernung, Nässeschutz, Reinigung, Glanz, Pflege, Farbauffrischung? Das sind elementare Fragen, mit denen man sich, oder besser gesagt Frau sich wirklich einmal näher befassen sollte. Hat man diese Frage geklärt, geht es weiter. Und zwar muss nun die Materialfrage geklärt werden. Aus welchem Material besteht der Schuh? Ist er aus Rauleder, Lack und Metallic, gewachstes und gefettetes Leder, Soft Leder, Textil oder aus sonstigen Tex-Materialen wie z.B. GoreTex®..etc.? also einfach mal schnell in den Laden gehen und eine Schuhcreme kaufen? Nein, das war gestern. Heute ist nichts mehr einfach.

Früher war vieles leichter. Da gab es einfache Schuhcreme der Marke mit dem Frosch mit Krönchen in verschiedenen Farben sowie neutrales Schuhwachs bzw. Lederfett und damit war man bestens aufgestellt, um seine Lederschuhe bis zum Ende des Schuhlebens zu pflegen und zu putzen. Ich weiß nicht, was in den letzten Jahrzehnten passiert ist, dass der Schuhpflegekauf heute so kompliziert geworden ist?

Bist Du auch ein Schuhnazi?

Das Thema „Imprägnierung“ geht mir besonders auf den Geist. Immer diese ermahnenden und warnenden Belehrungen der geschäftstüchtigen Verkäuferin, dass der Schuh vor dem ersten Tragen unbedingt erst 3 x in einem Abstand von 24 Stunden gründlich imprägniert werden müsse. Sonst wäre das Leder hinüber, wenn der große Regen kommt. Ich frage mich dann immer, ob die Verkäuferin eigentlich meint, dass wir hier in unseren Breiten einen wochenlangen Monsunregen zu erwarten haben, und wir dann nichts Besseres zu tun haben, als mit unseren nagelneuen, feinen Lederschühchen freudestrahlend im Dauerregen umherzulaufen? Apropos Leder! Ist man eigentlich jetzt auch ein Nazi, wenn man Lederschuhe trägt? Dann bekenne ich hiermit: Ich bin ein Schuhnazi.

Was besonders paradox ist: Früher besaßen die Menschen ein, zwei Paar Schuhe und diese hielten fast ein Leben lang. Sie liefen mit ihren Schuhen durch Schnee und Regen, trugen sie bei der Arbeit und zuhause. Was haben sie nur ohne all die Pflegeprodukte gemacht, die es heute gibt?

Jedenfalls habe ich nun ungefähr dreiviertel meiner Schuhpflegeprodukte weggeworfen und fühle mich wirklich wie befreit. Und für den nächsten Schuhkauf nehme ich mir felsenfest vor, mir keine Schuhpflege mehr andrehen zu lassen. Ich denke, mit den Pflegeprodukten, die ich habe, bin ich noch für die nächsten Jahre bestens aufgestellt.

Und die Moral von der Geschicht‘ Tammy, drück die Tuben nicht.

Ein Kommentar zu „Tammy räumt auf – heute: Der Schuhputzkasten

  1. Liebe Tammy,
    ich musste so lachen. Ich hatte nämlich auch erst die letzten Tage den Schuhputzkasten aufgeräumt. Schuhe putzen/pflegen fällt in meinen Zuständigkeitsbereich. Ja, ich fand das ähnliche Chaos vor. Wobei ich seit ein paar Jahren auf einem Jahrmarkt eine Pflege gefunden hatte, die ich fast ausschliesslich benutze. Somit habe ich ebenfalls die alten Tuben und Dosen entsorgt. Ich mache es mir da einfacher, ich verwende für Pflege und Imprägnierung die selbe Dose. Zum Thema Tuben drücken hat alles hinweisen, auch früher, als die Kinder noch im Hause waren nichts genützt. Ich habe dann immer die Tuben zurecht gedrückt. Vor ein paar Jahren habe ich in USA zufällig auf einem Fleamarket ein Tool zur geordneten Tubenentleerung gefunden. Das nutzen wir jetzt und die Tuben kann man so fast komplett ausdrücken. Wir haben wieder was geschafft und man fühlt sich danach doch gut, wenn wieder in einem Schub Ordnung herrscht. …in diesem Monat habe ich noch vor meine Schrauben und Nägel im Keller zu sortieren. Lust habe ich im Moment noch nicht dazu. Ich warte bis es wieder mal regnet. Liebe Grüße von Norbert

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