Es war einmal…….Weihnachten

So, nun hat Weihnachten also auch bald ausgedient.

Ihr habt es sicher auch gemerkt. Schleichend werden Begriffe, die mit dem Weihnachtsfest zu tun haben ausgetauscht oder aus dem Wortschatz eliminiert. Nichts mehr soll an das Weihnachten erinnern, das Teil unserer Tradition ist, mit dem wir schöne Erinnerungen verbinden und das wir seit Generationen mit unseren Familien begehen. Ein großes schwedisches Möbelhaus benennt das Weihnachtsfest um in Winterfest und eine deutsche Discounterkette verkauft den uns bekannten Weihnachtsstern jetzt als Winterstern. Aus Weihnachtsmannfiguren werden Jahresendfiguren oder „Klapper Klaus“, wie ein bekanntes Lebensmittelunternehmen seinen Weihnachtsmann jetzt nennt. Weihnachten hat also ausgedient.

Weihnachten? Haben wir nicht mehr und kriegen wir auch nicht mehr rein.

Weihnachten und wie es einmal war

Für mich war Weihnachten immer ein ganz besonderes Fest. Es fing schon in der Vorweihnachtszeit an, wenn in den ersten Fenstern der Häuser Weihnachtspyramiden standen und die Bäume in den Vorgärten geschmückt und durch Lichterketten hell erleuchtet waren. In den Geschäften hörte man Weihnachtsmusik und auf den Weihnachtsmärkten ertönten noch Weihnachtslieder. Ich bin oftmals nach der Arbeit über den Weihnachtsmarkt geschlendert, auf dem es noch den einen oder anderen Stand gab, der Weihnachtsschmuck aus dem Erzgebirge oder auch handgefertigte Tonwaren und selbst gestrickte Handarbeiten anbot. Die Weihnachtsmärkte waren noch keine Hochsicherheitszonen, die mit Zäunen und Pollern vor einfahrenden LKWs geschützt werden mussten. Und es sind auch keine Polizisten mit Maschinengewehren auf ihnen patrouilliert. Ich verband mit Weihnachten das Fest der Liebe, der Freude, der Familie und natürlich auch der Geschenke. Da ich aus einem christlichen Elternhaus komme, war Weihnachten natürlich vor allem auch das Fest von Christi Geburt. Und die christlichen Symbole durften da natürlich nicht fehlen. Das galt auch für diejenigen, die mit dem Christentum nichts am Hut hatten. Trotzdem haben auch jene keinen Anstoß an den christlichen Symbolen genommen. Auch für sie gehörten diese Symbole einfach zum Weihnachtsfest dazu.

Der Heilige Abend

Das Weihnachtsfest haben wir ab und zu mal bei meiner Oma verbracht. Das war für mich als Kind immer eine besonders aufregende und schöne Zeit. Irgendwie war es bei der Oma immer noch ein wenig festlicher als zuhause. Sie hatte an Weihnachten immer die leckeren Pfefferkuchen gebacken und zudem traf sich am Heiligen Abend die ganze Familie, die weit verstreut in Deutschland lebte und die man nur mal an Weihnachten sah.

Nach einem tollen Essen, dem gemeinsamen Singen von Weihnachtliedern und natürlich der Bescherung, ging es am späten Heiligen Abend noch einmal hinaus in die dunkle und kalte Winterluft. Wir stapften durch den Schnee hinauf zum Bamberger Domberg, wo im Kaiserdom die Weihnachts-Christmette abgehalten wurde. Schon von Weitem hörten wir das wunderschöne Geläut des Kaiserdoms, das uns den Weg hinauf durch Bambergs zauberhafte Altstadt geleitete und immer lauter und erhabener wurde, je näher wir dem Dom kamen. Aus allen Richtungen strömten die Menschen in ihren schwarzen Mänteln herbei und der ganze Domplatz hatte sich mit Menschen gefüllt, die den Heiligen Abend mit der Christmette im Dom abschließen wollten. Es war eine ganz besondere festliche und feierliche Stimmung. Ich erinnere mich an das erhabene, ohrenbetäubende und volle Glockengeläut des Domes zu so später Stunde, das den ganzen Domplatz erfüllte. Der Dom war festlich mit Kerzen beleuchtet und brechend voll mit Menschen, die eng beieinander standen. Wir ergatterten noch einen Stehplatz ziemlich weit hinten. Wunderschön und Gänsehaut-Feeling pur war es, die Weihnachtslieder gemeinsam mit so vielen Menschen unter Begleitung der Kirchenorgel zu singen. Zum Abschluss der Christmette wurde dann noch „Stille Nacht, heilige Nacht“ angestimmt und die Gläubigen liefen danach ergriffen mit Kerzen in der Hand nach draußen in die klirrend kalte, dunkle Winternacht, begleitet wieder vom Glockengeläut und verloren sich schließlich in den dunklen, verwinkelten Gassen des Städtchens.

Selbst Menschen, die nicht an Gott glauben, finden sich an christlichen Feiertagen, vor allem an Weihnachten, gerne in der Kirche ein. Aus lieb gewordener Tradition besuchen sie einen festlichen Gottesdienst und ich weiß es auch von Nicht-Gläubigen, dass sie Gänsehaut beim Hören einer Bach-Kantate bekommen und viele Weihnachtslieder – trotz christlicher Texte – wirklich mögen und gerne singen.

O, du leider nicht mehr fröhliche…

Ich erinnere mich nicht, dass es in all den vergangenen Jahrzehnten jemals zur Debatte stand, das Weihnachtsfest bzw. dessen Symbolik aus dem Wortschatz zu verbannen, so wie es seit ein paar Jahren zu beobachten ist. Es schmerzt mich wirklich, mit anzusehen, wie man in verschiedensten Bereichen versucht, uns unsere Wurzeln herauszureißen und unsere Traditionen zu verleugnen oder gar mit Füßen zu treten.

Es ist mir aber auch völlig klar, dass das Weihnachtsfest schon lange kommerzialisiert ist und vielleicht ist das auch genau der Grund dafür, dass uns das jetzt alles um die Ohren fliegt. Schon zu lang haben wir das selbst mit befeuert und den Konsum über alles Andere gestellt. Das rächt sich jetzt. Unsere Werte waren uns nichts mehr wert. Und wenn einem etwas nichts mehr wert ist, dann kämpft man eben auch nicht mehr darum. Es geht um nichts mehr – also geht auch nichts mehr.

Ich wage einmal eine düstere Zukunftsprognose: In 10, 20 Jahren werden wohl nur noch Spurenelemente des Weihnachtsfestes, das wir einmal kannten, übrig geblieben sein. Es wird sich schleichend immer mehr verwischen, wie ein verschwommenes Aquarellbild, dessen Konturen kaum mehr wahrnehmbar sind.

Natürlich wäre ich der glücklichste Mensch auf Erden, wenn ich mich täuschte.

Weihnachten, Kind, Pinheiro, Weihnachtsbaum, Parteien

12 Kommentare zu „Es war einmal…….Weihnachten

  1. Liebe Tamara, mir ist das bisher gar nicht so aufgefallen, dass, Begriffe umbenannt wurden. Meiner Frau schon. Insofern störte ich mich nicht direkt daran. Wohl aber bei, ein wenig Nachdenken, an dem Hintergrund, warum das passiert. Das akzeptiere ich so nicht. Nichtsdestotrotz, wir feiern Weihnachten schon immer so wie auch du es beschrieben hast. Dieses Jahr freuen wir uns besonders, da auch der in USA lebende Teil der Familie kommt um das Weihnachtsfest mit uns zu feiern. Weihnachten und Ostern sind für uns Christen immer wieder die Ankerpunkte in unserem Familienleben. Das bleibt so, auch wenn Bezeichnungen geändert werden.

    Gefällt 1 Person

  2. Tja, Traditionen, Familie, Identität, Nation, Volk,,,,das gefällt den sog. Globalisten nicht. DAS muss weg!
    Man muss aber schon tiefer graben, um zu verstehen, WER dahinter steckt!

    Gefällt mir

  3. Sehr schön geschrieben!
    In der Tat ist Weihnachten nach und nach verkommen.
    Unsere Tradition haben wir allmälich über Board geschmissen und anerikanische und skandinavische Traditionen übernommen.
    Ich erinnere nich sehr gerne an Weihnachten in meiner Kindheit.
    Erst haben wir gemeinsam Kinderprogranm im Fernsehen gesehen. ( Wir warten aufs Christkind).
    Danach gingen alle Geschwister zusammen zur Kinder- und Jugend Christmesse.
    Nachdem wir wieder zurück waren, gingen wir in unsere Kinderzimmer und warteten bis unsere Eltern mit den Vorbereitungen fertig waren und das Glöckchen läutete.
    Dann war das Christkind da. – Ja, das Christkind und nicht der von Coca-Cola in ROT gefärbte Väterchen Frost, den man heute sls Weihnachtsmann kennt.
    Wir habe nämlich am Weihnachten die Geburt des „Kindes“ Jesu „Christi“ gefeiert.
    Dann gingen wir voll Erwartungen ins Wohnzimmer, bestaunten den Baum, aßen dann zu Abend und sangen 2 – 3 Lieder – ja, wir muüten noch selber singen 😜 – bevor die Bescherung begann.
    Am 06. Januar wurde dann der Baum geplündert. (Alle Leckereien gründlich vernichtet).
    Heute gibt es Geschenklager statt Adventkalender, Adventkalender mit Wein, Bier, Kaffee, Werkzeug und Erotik, Weihnachtsmänner und sogar Weihnachtsfrauen, Klapper-Kläuse und Wintersterne und alles ist kommerziell geworden.
    Weihnachtsmärkte, wenn sie denn noch so heißen dürfen, finden hinter Betonklötzen oder in Käfigen statt und Weihnachtsbäume gibt es aus ökologischen Gründen nicht mehr!
    Wirklich Schade!

    Gefällt 2 Personen

    1. Lieber Sir! Vielen Dank, dass Du Deine schönen Kindheitserinnerungen mit uns geteilt hast! Das ist eine tolle Ergänzung zu meinen Erinnerungen Vieles habe ich ebenso wie Du erlebt. Bei uns wurde auch noch die Weihnachtsgeschichte aus dem Lukas-Evangelium vorgelesen: „Es begab sich aber zu der Zeit, dass ein Gebot von Kaiser Augustus ausging, dass alle Welt geschätzt wurde…… „Herzliche Grüße!

      Gefällt 1 Person

      1. Ja, das war natürlich auch noch der Fall!
        Die Weihnachtsgeschichte aus der Bibel (ob Matthäus, Lukas, Markus oder Johannes weiß ich nicht) wurde auch vorgelesen (mal vom Vater, mal von der Mutter, mal von eine der Schwestern, mal von mir und mal von jede(m/r) ein Teil)

        Gefällt 1 Person

    1. Ich hab ja selber auch schon Enkelkinder!

      Ja, heute ist es nicht nur so, dass Traditionen in der Öffentlichkeit abgeändert werden, weil man „Rücksicht“ nehmen muß auf fremde Religionen (vom Buddhismus, Taoismus, Hinduismus habe ich das noch nie gehört), sondern auch in den rein deutschen Familien findet Tradition keinen Anklang mehr.

      Gefällt 1 Person

    2. Ergänzen sollte ich noch das diese Form der Familienweihnacht von unseren Kinder übernommen und auch heute noch so, jetzt mit den Enkeln so gefeiert wird. Noch so eine kleine Tradition bei uns. Als die Kinder klein waren bin ich am Heiligen Abend mit Ihnen vormittags zum Christkindles Markt nach Nürnberg gefahren. ( wir störten ja nur zu Hause ). Das machen wir auch heute noch so, ( seit 39 Jahren ) inzwischen sind die Enkelkinder mit dabei. Echt schön und wir freuen uns alle Jahre darauf.

      Gefällt 2 Personen

  4. Liebe Tammy, wieder ein sehr berührender Artikel, der in mir viele schöne Erinnerungen weckt – und gleichzeitig Böses für die Zukunft erwarten lässt! Wer oder was hat ein Interesse daran, dieses Land, unsere Traditionen und unsere Lebensart zu zerstören? Es ist unglaublich, was sich hier in den letzten Jahren vollzieht – der Begriff „Endzeit“ ist, glaube ich, nicht zu weit hergeholt! Lasst uns aufstehen und dagegen angehen – wenn nicht für uns, dann wenigstens für unsere Nachkommen! Liebe Grüße, Micha

    Gefällt 1 Person

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s