Der Biomarkt – wo Gutmenschen schlechte Lebensmittel kaufen

Wenn Ihr guter Dinge und mit Euch und der Welt im Reinen seid, dann geht bloß nicht in einen Biomarkt. Denn dann könnte es ganz schnell vorbei sein mit der guten Laune. Mir geht es jedenfalls jedes Mal so, wenn ich diesen Öko-Laden betrete.

Einkaufserlebnis der besonderen Art

In seltenen Ausnahmefällen und auch nur, wenn es wirklich gar nicht anders geht, kommt es vor, dass ich mich in diesen Gutmenschen Tempel wage, um ein paar Kleinigkeiten zu kaufen. Sobald ich den Eingangsbereich betrete, bekomme ich ein betretenes Gesicht, da mir sofort die Klientel ins Auge springt, die dort bevorzugt ihren Einkauf tätigt. Es sind zumeist Ökotussis mit verfilzten Rastazöpfen à la Schlepperkönigin Rackete, mit Pluder-Haremeshosen aus Ballonseide in lila oder grün bekleidet, deren Schritt fast in den Kniekehlen hängt. Darüber hängen in Lagen irgendwelche Kleiderfetzen, die zwar nicht die Figur betonen aber dafür farblich auch nicht zusammen passen. Aber gut, über Geschmack lässt sich ja bekanntlich nicht streiten und ein netter Mensch wird mit ätzenden Klamotten auch nicht unbedingt weniger nett. Leider sind aber diese Ökotussis nicht nett. Und genau das ist das Problem. Sie haben meist einen dermaßen verbiestert und verbitterten Gesichtsausdruck, so dass ich am liebsten schnell Reißaus nehmen würde, wenn ich sie sehe.

Also versuche ich meist, so schnell wie möglich die paar Dinge zu greifen, die ich benötige und schnellstens diesen Bio-Laden des Grauens wieder zu verlassen.

So schnell geht es aber nicht. Spätestens an der Kassenschlange wird man ausgebremst und steht nun da, eingepfercht zwischen all den Gut und Bessermenschen und muss deren schulmeisterlich-überheblich-verbiesterte Öko-Visagen ertragen. Da triffst Du sie wieder, die Tussi vom Eingangsbereich, wie sie mit ihren unansehnlichen, braunen Bio-Bananen, ihrer veganen Bio-Tofu-Fake-Wurst und ihrem politisch korrekten, halb verschlissenen, bunten Juterucksack vom Eine-Welt Laden vor Dir an der Kasse steht. Missbilligend starrt sie auf Deine hochpreisige Lederhandtasche und raubt Dir in diesem Augenblick wirklich den letzten Rest an Lebensfreude.

Vor ein paar Tagen kaufte ich mir in diesem Bioladen des Grauens ein paar Bio-Walnüsse sowie Bio-Minze. Man könnte ja meinen, dass man gerade in einem Bessermenschenökoladen gute Bio-Ware erhält. Und der höhere Preis daher gerechtfertigt ist. Denkt man sich. Weit gefehlt.

Zuhause stellte ich fest, dass die Bio-Minze zwar sehr teuer, aber dafür verwelkt und vertrocknet war. Es waren unansehnliche, verschrumpelte, bräunliche Blättchen, die ihre guten Tage nicht nur hinter sich hatten. Ich denke, sie hatten überhaupt niemals gute Tage gesehen. Mit dem Bioanbau und dem Verzicht auf sämtliche Herbi- und andere Zide wurde auch gleich noch erfolgreich auf gutes Aussehen, Größe, Geschmack und Haltbarkeit verzichtet. Das gleiche Trauerspiel mit den sauteuren Walnüssen. Um diese kleinen, bräunlichen, unansehnlichen Walnüsschen überhaupt erst einmal zu knacken, musste ich all meine Muskelkraft aufwenden. Als ich es endlich geschafft hatte, war ich wirklich schon geschafft aber doch in freudiger, heißhungriger Erwartung auf den ersehnten Inhalt. Dieser löste sich jedoch mit der Schale in hunderttausend jämmerliche Einzelteile auf. Der Kern war pechschwarz und zerfiel durch bloßes Ansehen zu Staub. Also außer Krümel nichts gewesen mit den teuren aber dafür gewissensreinen Bio-Walnüssen.

Aber wenigstens konnte ich hier wieder meinen über alles geliebten Tischstaubsauger einsetzen, da sich die atomisierten Walnussfragmente weitflächig über den Tisch verteilt haben. Dies war nun der einzige Mehrwert meines Einkaufs im Bioladen.

Fazit: Im Bioladen bekommt man oftmals schlechte Bio-Ware zu einem noch schlechteren Preis aber das gute Öko-Gewissen gibt es dafür gratis dazu. Und wenn man wirklich einmal an zu guter Laune leiden sollte, so ist ein Besuch in diesen Gefilden der Garant dafür, dass sich diese genauso schnell verflüchtigt, wie die vertrocknete Walnuss nach dem Knacken.

2 Kommentare zu „Der Biomarkt – wo Gutmenschen schlechte Lebensmittel kaufen

  1. Ich musste jetzt so lachen, als ich dein Erlebnis gelesen habe. Liebe Tamara, diese Typen hab ich auch gefressen. Bei uns im Dorf kennt man sich und ich hol Kartoffeln, Eier etc .von unseren Bauern. Da weiss ich wo das Zeug herkommt und unterstütze dabei gerne die heimische Wirtschaft.

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