Die neue Vielfalt in der Stadt – heute: Der rumänische Sandhund

Ist Euch das auch schon aufgefallen, dass wir in Deutschlands Fußgängerzonen seit einigen Jahren mit einer Vielzahl hochwertiger, anspruchsvoller Kunstwerke beglückt und bereichert werden?

Ich meine hier den wunderschönen, künstlerisch anspruchsvollen und nahezu immer gleich aussehenden Sandhund, der unser Auge jedes Mal aufs Neue erfreut. Manchmal sogar an mehreren Stellen in einer deutschen- und europäischen Fußgängerzone. Und immer sieht er nahezu identisch aus, dieser Sandhund. Wir bleiben jedes Mal aufs Neue wieder begeistert stehen und können uns nicht satt sehen, so sehr fasziniert uns diese filigrane Sandskulptur, gefertigt von einem bislang unentdeckten rumänischen Künstler, dessen Hände aus purem Sand mit etwas Wasser, einzigartige Kunstwerke anfertigen. Beseelt werfen wir einen 5-Euro-Schein in den daneben liegenden Hut, eine kleine Honoration dieses armen, aber begabten Künstlers, der doch wenigstens ein wenig belohnt werden soll für sein großartiges Kunstwerk und seine einmalige Begabung, die uns in Entzücken und Erstaunen versetzt.

Wer steckt eigentlich hinter diesen Sandkünstlern?

Unsere Investigativ -Reporterin Tammy hat sich zwecks eingehender Recherche auf die Suche nach diesen Sandkünstlern gemacht und Erstaunliches zu Tage gefördert.

Diese Sandkünstler, deren Kunstwerke in Form von immer gleichen Sandhunden wir zuhauf in deutschen- und auch europäischen Fußgängerzonen bestaunen dürfen, werden allesamt auf einer rumänischen Gaukler- und Bettler-Akademie fundiert in einem 2,5 tägigen Seminar ausgebildet. Diese Akademie befindet sich im hintersten Fleck von Transsilvanien, einem bislang kaum erschlossenen Gebiet. In einer halb verfallenen Wellblechhütte werden die zukünftigen Straßenkünstler fundiert ausgebildet und in mannigfaltigen Techniken zur Bereicherung der europäischen Fußgängerzonen unterrichtet und geschult.

Neben dem berühmten Sandhund-Seminar gibt es auch einen Ziehharmonika-Kurs, in welchem die bekannten 3 Akkorde gelehrt werden, die man dann zu einem anspruchsvollen Lied zusammen komponiert. Dieses musikalisch höchst anspruchsvolle Musikstück, welches einen regelmäßig zu Tränen rührt, bestehend eben aus drei Akkorden, kann man ebenfalls, genauso oft wie die Sandhunde landauf –landab in den Fußgängerzonen zu hören bekommen. Hier bleibt wirklich kein Auge trocken. Verwundert ob dieser musikalischen Hochbegabung bleibt der Fußgänger ehrfurchtsvoll stehen, um sich dieses ergreifende Musikstück bis zum Ende anzuhören. Seltsamerweise endet es aber nie. Bleibt man eine Weile stehen, bemerkt man nach nur 30 Sekunden eine seltsame Wiederholung der Akkorde. Da staunt der Fachmann und der Wunde leiert sich. Dies muss wirklich die ganz große Musikkunst sein, denkt man sich und kramt nun entschlossen, auch diesem hochbegabten rumänischen Künstler zu unterstützen, einen weiteren 5-Euro-Schein aus seinem Portemonnaie.

Auch die dritte Gaukler- und Bettler-Disziplin, nämlich das gekonnte Abbinden von funktionstüchtigen Gliedmaßen wird auf dieser renommierten Wellblech-Akademie in Hinter-Rumänien gelehrt. Diese Kunst wird in einem 10 Minuten Kursus angeboten, der wirklich außerordentlich gut besucht ist. Schon absolut Unbegabte können es hier zu großer Fertigkeit bringen!

Nach Abschluss dieses hochkarätigen Studiums wird der gemeine rumänische Straßenkünstler in die Fußgängerzonen Europas entlassen. Mittlerweile verzeichnen wir eine regelrechte Künstler-Schwemme und vor lauter Sandhunden, Ziehharmonika-Musik und Gliedmaßen-Verstümmlung können wir unser einmal geöffnetes Portemonnaie während unseres Stadtbummels kaum noch aus der Hand legen. Begeistert und um viele Euros erleichtert, verlassen wir einmal mehr die Innenstadt voller Dankbarkeit ob des Kunstgenusses und freuen uns über diese neue Vielfalt, die die einstmals so langweiligen deutschen- und europäischen Fußgängerzonen heute in bunte Orte der anspruchsvollen Kunst und Musik verwandelt haben.

Wer hier Ironie entdeckt hat, darf sie behalten.

Der rumänische Sandhund
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