Geldschein oder Scheingeld – unser Geldsystem verstehen

Gastbeitrag von Robert, Ex-Banker und Privatier

„Würden die Menschen das Geldsystem verstehen, hätten wir eine Revolution noch vor morgen früh.“ Henry Ford.

Und da wir deswegen keine Revolution haben, kann man davon ableiten, dass die Menschen das Geldsystem tatsächlich nicht verstehen. Deshalb gehen wir der Frage nach: Was ist das Geldsystem?

Zunächst etwas Grundsätzliches zum Geld

Die klassischen Geldfunktionen (Tauschmedium, Zahlungsmittel, Wertmesser und Wertaufbewahrungsmittel/Wertspeicher) wurden bereits zu Beginn des 3. Jahrhunderts v. Chr. durch Metalle wie Kupfer, Silber, Zinn und Gold erfüllt. Daneben fungierte Getreide als Tauschmittel und Wertmesser. Das Papiergeld entstand im 11. Jahrhundert in China als Stellvertreter für Münzgeld. Es war ursprünglich nicht als Ergänzung zu Münzen gedacht, sondern als deren Ersatz bei Mangel an Münzen.

In Deutschland wurden die sächsischen und preußischen Staatspapier- und Tresorscheine des 18. Jahrhunderts als Banknoten emittiert. Das Wort Geld stammt von dem althochdeutschen gelt (= Vergeltung, Vergütung, Einkommen, Wert, gelten) ab, wie uns heute noch mit den Begriffen Entgelt, abgelten, geläufig ist.

Heute kennen wir drei Arten von Geld: das Bargeld, das Giral- oder Buchgeld und das elektronische Geld.

Das Bargeld sind die Münzen und Geldscheine, die wir in die Hand nehmen können. Sein Anteil am gesamten Geldumlauf beträgt ca 10 %. Im Jahre 2017 bezahlten 74 % der Deutschen mit Bargeld, Tendenz leicht sinkend. Das Giral- oder Buchgeld ist das Geld auf dem Bankkonto und wird hauptsächlich zur einfachen Konto-Übertragung, z.B. Gehaltseingang, Bezahlung von Rechnungen etc, sowie zur Geldaufbewahrung verwendet. Das elektronische Geld ist das vermeintlich bequeme Bezahlen mit der Karte. Die große Mehrheit der Befragten (88 Prozent) gab an, auch in Zukunft unverändert mit Bargeld bezahlen zu wollen. Sie lehnen eine Bargeldabschaffung oder -einschränkung deutlich ab.

Volker Pispers sagte in einem seiner Programme: «Was ist Geld? Geld ist Fantasie

Geld ist also das Vertrauen, dass Sie für den aufgedruckten Betrag auf dem Geldschein eine entsprechende Ware kaufen können. Was ist aber, wenn Ihnen der Verkäufer sagt, dass er Ihren Geldschein nicht akzeptiert und er lieber Ihre Uhr als Zahlung akzeptiert? Wie kommt der Bäcker eigentlich dazu, kein Vertrauen in den Geldschein zu haben? Liegt es eventuell daran, dass er versteht was Henry Fonda sagte? Um diese Frage zu beantworten müssen wir einen Blick auf das Geldsystem werfen. Dabei müssen wir die beiden Begriffe Zinseszins und Schuldgeld zuerst einmal näher definieren. Der Zinseszins ist eine Exponentialrechnung und um dies vereinfacht zu erklären, nehme ich die Erklärung anhand des Gedankenexperiments des Josefspfennigs.

Wenn Josef bei der Geburt von Jesus ein Konto bei der Bank of Judea eröffnet und darauf 1 Cent einbezahlt hätte, das Konto von damals bis heute nie angerührt und es immer zu 5 % (theoretisch) verzinst worden wäre, wie hoch wäre der heutige Kontostand?

Resultat: 195 Millionen Weltkugeln aus purem Gold.

Und wie hoch wäre der heutige Kontostand, wenn jährlich der Zins abgehoben worden wäre? 1 Cent!

Sie sehen, dass je länger das Geldsystem läuft, umso grösser das Problem des Zinseszins wird; exponentielle Geschwindigkeit.

Alles Geld, das im Umlauf ist, ist Schuld. Nur, in dem jemand einen Kredit aufnimmt, entsteht Geld. Das bedeutet, dass dem gesamten Vermögen, die gleiche Anzahl Schulden gegenüber steht. Der Produzent, der ein Kredit aufnimmt und dafür Kreditzinsen bezahlt, schlägt diese auf den Produktpreis auf. Der Käufer (Bürger) bezahlt die Zinskosten. Der Staat nimmt Kredit auf, um seinen Verpflichtungen nachzukommen. Die Zinskosten werden durch die Steuerzahlungen der Bürger bezahlt. Der Bürger bürgt, daher der Name. Der Bürger bezahlt also immer die Zinskosten. Das ist die Umverteilung von unten nach oben oder der Grund, warum mit zunehmender Dauer des Systems, der Mittelstand erodiert und schlussendlich zu implodieren droht.  Und an irgendeinem Punkt ist der Bürger nicht mehr in der Lage die Zinsen aus den aufgetürmten Schulden zu bezahlen und es kommt alle paar Jahrzehnte zum Staatsbankrott. Dies löst eine harte Umverteilung aus und äussert sich über eine starke Inflation, über eine Währungsreform oder extreme Steuerumverteilungen.

Eine Währungsreform könnte folgendermaßen aussehen:

Beispiel 1: Das Bargeld und das Kontoguthaben wird im Verhältnis alt 100 : neu 60 umgetauscht. Ihr Vermögen wird also um 40 % reduziert. Ihre Kredite, Hypothek, Kreditkartenverpflichtung werden im Verhältnis alt 100 : neu 80 umgetauscht. Ihre Schulden werden also nicht im gleichen Umfang wie Ihr Vermögen reduziert.

Beispiel 2. Obiges Beispiel plus die Zwangshypothek. Der Staat belegt Ihre Liegenschaft mit einer Hypothek, die mit einer bestimmten Laufzeit ausgestattet ist. Es ist klar, dass Sie die Zinsen und Amortisationen zu zahlen haben. Auch wenn Sie kein Liegenschaftsbesitzer sind, sondern Mieter. Der Vermieter wird die zusätzlichen Zins und Amortisationskonten auf seine Mieter aufschlagen.

Werfen wir einen Blick auf das Hier und Heute. Ich sprach am Anfang vom Vertrauen in die Währung haben. Das versuchen der Staat, die EZB und die EU aufrecht zu halten, in dem sie tricksen wo es nur geht. Da werden nutzlose und nicht funktionierende Rettungsschirme versprochen, Haushalte frisiert, und mit allen, auch kriminellen Energien, an der Totgeburt des Euros festgehalten. All dies ist eine hochgradig kriminelle Konkursverschleppung! Und je länger sie dauert, umso einschneidender der Bankrott. Aus der Null- bzw. Negativzins Nummer kommt die EZB nicht mehr heraus, ansonsten würde das auf sandigen Boden gebaute EU Konstrukt sofort in sich zusammenfallen. Das wissen die Granden an den Schalthebeln der Macht nur zu gut und darum kommen immer lautere Rufe nach dem bargeldlosen Geldsystem. Weiter oben erwähnte ich, dass das Bargeld nur 10 % der gesamten Geldmenge entspricht. Stellen Sie sich nun einmal vor, ganz viele unzufriedene Bürger würden auf einmal versuchen ihr Geld vom Bankkonto abzuheben. So etwas nennt man einen Bankrun. Das hätte unweigerlich zur Folge, dass die Banken für mehrere Tage geschlossen werden und der Notstand ausgerufen würde. Es gäbe kein Geld mehr aus dem Bankautomaten und es wäre absehbar, dass Geschäfte keine Kreditkartenbezahlungen mehr akzeptieren würden. Bezahlungen nur noch gegen Bargeld. Bares ist Wahres! Dieses Szenario würde auch bei einem Staatsbankrott sofort eintreten. Wie ein mehrtägiges Bankenschließen sich manifestiert, kann man am Beispiel von Griechenland 2015 nachlesen.

Haben Sie heute, bei drohenden Negativzinsen, die Möglichkeit ihr Konto aufzulösen und das Bargeld zuhause zu horten, ist dies im bargeldlosen System nicht mehr möglich. Sie sind auf Gedeih und Verderb dem Staat machtlos ausgeliefert. Am Ende des Monats drückt der Staat einmal die Enter Taste und ihr Guthaben hat um X % abgenommen. Wie wollen Sie sich dagegen wehren?

Verstehen Sie nun was Henry Ford meinte mit: Würden die Menschen das Geldsystem verstehen, hätten wir eine Revolution noch vor morgen früh.“ 

Ich habe nur ganz wenig an der Oberfläche des Geldsystems gekratzt und es offenbaren sich schon die schlimmsten Verwerfungen. Ich bitte Sie, sich kritisch mit meinen dargelegten Fakten auseinander zu setzen, denn nur wer die Gefahr kennt, kann sich auf sie vorbereiten.

Geldschein – ein Wort, zwei Bedeutungen, nämlich Geldschein und Scheingeld!

Quellen:            

Dirk Müller über unser Geldsystem https://www.youtube.com/watch?v=ihT6uOSl5s0Wikipedia

Geldsystem einfach erklärt mit Volker Pispers https://www.youtube.com/watch?v=yARNVwliTQ0https://t.me/joinchat/AAAAAE8dS3ZKiAvPsqAZmA

2 Kommentare zu „Geldschein oder Scheingeld – unser Geldsystem verstehen

  1. Lieber Robert, vielen herzlichen Dank für Deinen wirklich sehr interessanten und aufschlussreichen Artikel zum Geldsystem. Du hast das prima erklärt und zur Wissensbildung beigetragen! Ich freue mich, bald mehr von Dir zu lesen.

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