Lasst uns über Messer reden…

Es ist etwas Seltsames geschehen. Vielleicht geht es Euch auch so? Harmlose Worte haben plötzlich ihre Unschuld verloren und eine andere Bedeutung bekommen.

Vor nicht allzu langer Zeit war das Messer für mich ein alltäglicher Gebrauchsgegenstand, den ich vor Allem im Bereich der Küche verortete. Es gab Brotmesser, Gemüsemesser, Buttermesser, Fleischmesser. Dann gab es natürlich auch Taschenmesser. Hier denke ich vor Allem an die netten Schweizer Taschenmesser zum Aufklappen, die man auch ab und zu mal als Werbegeschenk bekam. Meist erfreuten und interessierten sich Männer für Messer, ebenso wie für Fotoapparate, Handys und Werkzeug. Es gibt wunderschöne Messer mit toll geformten Klingen und noch schöneren Griffen mit allerhand Verzierungen und aus unterschiedlichsten Materialien. Kürzlich war ich in Grindelwald in der Schweiz und dort war gefühlt in jedem dritten Schaufenster eine Auslage von unterschiedlichsten Messern zu bestaunen. Vor Allem staunten die Männer. Ich sah, wie die Herren der Schöpfung interessiert und mit leuchtenden Augen vor diesen Schaufenstern standen und sich die Nasen platt drückten. Währenddessen sich ihre Frauen gelangweilt abwandten und sehnsüchtig in Richtung des nächsten Modegeschäfts spähten, am Ärmel des Mannes ziehend, in der Hoffnung, er würde sich doch recht schnell losreißen können. Komisch, dass es so wenig Frauen gibt, die sich für Messer interessieren, oder? Und seltsam, dass so wenige Männer sich ihre Nasen an Modegeschäften plattdrücken? Wie kann das sein? Will man uns nicht gerade einreden, wir seien im Grunde alle gleich? Aber dies sei nur mal am Rande erwähnt, denn hier geht es mir um etwas Anderes.

Auch ich als Frau besitze ein Messer bzw. ein Messerchen. Es ist ein kleines Miniatur-Klappmesserchen mit kleiner Mini-Schere und Nagelfeile daran. Es liegt in meinem Kosmetiktäschchen, welches ich in meiner Handtasche neben anderen wichtigen Utensilien, die Frau eben so braucht, um an einem normalen Tag im Großstadtdschungel über die Runden zu kommen, immer mit mir führe. Ich liebe dieses kleine, weiße Messerchen, hat es mir doch schon so manchen Dienst erwiesen. Entweder, um damit einen Faden, der es wagte, an meiner Bluse herauszuhängen, abzuschneiden, oder um einen eingerissenen Nagel mit der kleinen Mini-Nagelpfeile abzufeilen oder um ein kratzendes Etikett am T-Shirt zu entfernen. Stets war mein kleines Helferlein meine letzte Rettung.

Früher als Kind hatte ich einmal von meinen Eltern bei einem Urlaub auf dem Lande in Österreich ein kleines Schnitzmesser geschenkt bekommen. Ich bekam es nach dem Besuch bei einem Holzschnitzer, der diese Messer selbst anfertigte bzw. die von ihm geschnitzten Holzgriffe. Dieses Messer war zum Ein- und Ausklappen und hatte einen leuchtend grünen Holzgriff. Während dieses Urlaubs auf dem Lande schnitzte ich Ornamente in Holzstücke und bearbeitete kleine Baumästchen damit. Es machte mir einen riesigen Spaß. Ein harmloser Spaß.

Fataler Fatalismus

Leider ist aus Spaß Ernst geworden. Und ein an sich harmloser Gebrauchsgegenstand, ist urplötzlich zu einem Synonym für Leid, Bösartigkeit und Mord geworden. Höre ich heute das Wort „Messer“, dann denke ich sofort an diese bösen Dinge und daran, dass die Zeit der Unschuld wohl vorbei ist. Wie kommt es eigentlich, dass es urplötzlich normal zu sein scheint, dass bestimmte Männer mit Messern durch die Gegend laufen? Und noch schlimmer, dass sie diese einsetzen gegen unschuldige Menschen, die des Weges kommen und an nichts Böses denken? Sogar an Grundschulden gehört mittlerweile das Messer dazu wie Füller und Schulheft. Kleine Kinder werden an Schulen mit Messern von Mitschülern attackiert. Und dass dies in den allermeisten Fällen Kinder mit Migrationshintergrund sind, darf man nicht laut sagen. Und die Lehrer sehen nur noch hilflos zu! Und wenn interessiert es? Niemanden, so wie es aussieht. Es wird einfach so hingenommen. Nun sind sie halt da. Fataler Fatalismus.

Auch wenn ich an das Wort „Bereicherung“ denke, so ist dies doch an sich ein wunderbares Wort. Es gibt doch nichts Schöneres, als bereichert zu werden, oder? Es bereichert einen, ein gutes Buch zu lesen, ein angenehmes Gespräch zu führen, ein Konzertbesuch, ein Vortrag, der einem die Augen öffnet, nette Menschen, die es gut mit einem meinen. All dies sind Bereicherungen im Leben. Man wird reicher, das Herz erfreut sich und man entwickelt sich weiter. Wunderbar!

Und nun ist es geschehen, dass Politiker uns diese Worte bzw. deren Bedeutungen rauben, indem sie diese einfach frech euphemistisch umdeuten, um damit ihre fatalen Entscheidungen gegen die Interessen des größten Teils ihres eigenen Volkes zu rechtfertigen. Wir werden massakriert und sollen uns „bereichert“ fühlen. Wir sehen, wie der öffentliche Raum zusehends zur No-Go-Area wird und uns wird das als „bunt“ und „weltoffen“ verkauft.

Ohne es schönzureden oder weichzuspülen sage ich ganz un-euphemistisch: Das ist eine riesengroße Sauerei. Jawohl das ist es. Warum tut Ihr das? Euch ist anscheinend nichts mehr heilig.

2 Kommentare zu „Lasst uns über Messer reden…

  1. Mal wieder ein gelungener Blog! Wie gern würde ich dir all die Fragen beantworten, wird aber dann vermutlich die unendlich Geschichte. Ich zum Beispiel habe nie ein Messer bei mir, wobei ich schon oft darüber nachgedacht habe. Vielleicht ist es aber in naher Zukunft doch erforderlich. Ich berichte gern wenn es soweit ist. Und übrigens ich bin ein Mann der gern an den Schaufenstern der Modegeschäfte klebt :D. Liebe Grüße aus Bayreuth, André

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    1. Lieber André! Lieben Dank für Dein Lob und toll, dass Du hier bist! 🙂 So, so, dann bist Du also einer der seltenen männlichen Ausnahmen, die nicht vor Schaufenstern Reißaus nehmen 🙂 Alles Liebe für Dich! Tammy

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